Berlin (dpa) l Martin Schulz steht mit leeren Händen da. Nach dem SPD-Vorsitz verzichtet er auch auf das Außenministerium – um den SPD-Mitgliederentscheid über eine erneute große Koalition nicht zu gefährden. Eine Übersicht über erste Reaktionen:

"Ich bin froh, dass die Personaldebatte innerhalb der SPD mit dem Verzicht beendet ist. Meine Haltung ist bekannt. Ich danke Martin Schulz für diesen Schritt. Er ist seiner Verantwortung gerecht geworden. Ich hoffe, dass wir nun endlich über die guten Inhalte für unser Land reden."

(Sachsens SPD-Chef Martin Dulig am Freitag via Twitter)

"Martin Schulz stellt das Gelingen einer guten Regierung vor Amt und Person! Davor muss man Respekt haben. Werden an seinem Europa arbeiten!"

(SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach am Freitag via Twitter)

"Es zeugt von der höchsten politischen Tugend, nämlich persönliche Interessen hinter denen des Landes zurückzustellen"

(Die geschäftsführende Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in der "Rheinischen Post")

"Habe meine #NoGroko-Tour soeben in Pirna begonnen. Drei Stunden Gespräche mit Initiativen und (Nicht-)Mitgliedern über Arbeit, Rente, Infrastruktur, Integration, Rechtsruck und #spderneuern. Jetzt weiter nach Leipzig. Politischer Karneval in Berlin ist weit weg."

(Juso-Chef Kevin Kühnert am Freitag bei Twitter)

"Die neue Große Koalition demontiert sich, noch bevor sie im Amt ist."

(FDP-Fraktionsgeschäftsführer Marco Buschmann zur dpa)

"Es wäre besser gewesen, Schulz hätte diese richtige Entscheidung souverän selbst getroffen und nicht erst unter Druck. Der SPD wird dieser Schritt aber auch nicht viel helfen."

(Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht zur dpa)

"Menschlich kann einem das für alle Beteiligten nur leidtun. Das ist eine besondere Art der Selbstgeißelung. Offensichtlich versucht die Sozialdemokratie mit einem Akt der Verzweiflung, die Reißleine zu ziehen und opfert dafür auch den anständigen Umgang untereinander."

(Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt zu den Umständen des Schulz-Rückzugs)

Michael Groschek begrüßt verzicht

Der nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Michael Groschek hat den Verzicht von Noch-Parteichef Martin Schulz auf den Außenministerposten begrüßt. "Damit leistet er einen notwendigen Beitrag dazu, die Glaubwürdigkeit der SPD zu stärken", betonte Groschek am Freitag in einer Mitteilung. "Jetzt geht es darum, die vielen positiven sozialdemokratischen Inhalte des Koalitionsvertrages in den Mittelpunkt zu rücken und zahlreiche Verbesserungen für die Menschen im Land umzusetzen. Genau das erwarten die Bürgerinnen und Bürger von uns."

Groschek rief die Genossen zur Disziplin auf. "Wer jetzt schon wieder Personaldebatten fährt, handelt parteischädigend", sagte er auf Anfrage der dpa in Düsseldorf. "Bis zum Abschluss des Mitgliedervotums müssen die Inhalte im Vordergrund stehen. Das gilt für alle in der SPD." Zuvor hatte der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, sich dafür stark gemacht, dass Sigmar Gabriel (SPD) Außenminister bleibt.

Ein Jahr Martin Schulz

Vor etwas mehr als einem Jahr kündigte der damalige SPD-Chef Sigmar Gabriel seinen Verzicht auf den Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur zugunsten von Martin Schulz an. "Weil er die besseren Chancen hat. Das liegt auf der Hand", sagte Gabriel am 24. Januar 2017 zur Begründung. Was folgte, waren wenige Wochen Euphorie und ein tiefer Absturz. Ein Jahr Martin Schulz in Prozenten:

21 Prozent: Das ist der Umfragewert, mit dem Schulz am 24. Januar die SPD von Gabriel übernimmt.

33 Prozent: Dreieinhalb Wochen später, am 18. Februar, erreicht Schulz nach steilem Aufstieg diesen Höchstwert für die SPD. Das Niveau hält die Partei nur kurze Zeit. Dann geht es wieder bergab.

100 Prozent: Schulz wird am 19. März mit diesem Rekordergebnis zum Parteichef gewählt. Ein früher Höhepunkt seiner Amtszeit.

20,5 Prozent: Bei der Bundestagswahl am 24. September stürzt die SPD auf ihr schlechtestes Ergebnis der Nachkriegsgeschichte ab.

81,9 Prozent: Am 7. Dezember wird Schulz mit diesem Ergebnis als Parteichef wiedergewählt - das sechstschlechteste Ergebnis bei einer Wahl zum SPD-Vorsitzenden seit 1949. Schulz spricht trotzdem von einem "Vertrauensvorschuss".

56,4 Prozent: So knapp ringt sich die SPD am 21. Januar auf dem Parteitag in Bonn zu Verhandlungen über eine große Koalition durch. In der Parteispitze hatte man auf mindestens 60 Prozent gehofft.

17 Prozent: Nach dem Bonner Parteitag verliert die SPD in den Umfragen weiter: Bei Forsa kommt sie zwischenzeitlich nur noch auf 17 Prozent.

26 Prozent: Am Freitag erklärt Schulz seinen Verzicht auf den in einer großen Koalition angestrebten Außenminister-Posten. Aus einer neuen Forsa-Umfrage geht hervor, dass der ursprünglich angestrebte Eintritt von Schulz in die Bundesregierung von nur 26 Prozent der Deutschen unterstützt wurde. Fast drei Viertel (72 Prozent) lehnten diesen ab.