Damaskus (dpa) l Nach der Verabschiedung der UN-Resolution für eine Waffenruhe in Syrien setzt die syrische Regierung ihre Angriffe auf die heftig umkämpfte Region Ost-Ghuta in vermindertem Umfang fort. Insgesamt sei die Gewalt in dem belagerten Gebiet in den ersten Stunden nach der Abstimmung in New York zwar zurückgegangen. Trotzdem aber gebe es weiterhin Luftangriffe und Artilleriebeschuss, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag.

Eine Frau sei durch ein Artilleriegeschoss in der Stadt Hammurijeh getötet worden. Es sei das erste Todesopfer in Ost-Ghuta seit Verabschiedung der UN-Resolution in New York am Vortag. Zudem seien sieben weitere Zivilisten verletzt worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron drängen in Moskau auf Hilfe bei einer Waffenruhe in Ost-Ghuta. In einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin riefen sie Russland auf, „maximalen Druck auf das syrische Regime auszuüben, um eine sofortige Einstellung der Luftangriffe und Kämpfe zu erreichen“. Moskau ist einer der engsten Verbündeten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

30 Tage Waffenruhe

Die 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrates stimmten am Sonnabend für die Resolution, die die dramatische Lage in dem Bürgerkriegsland mit einer zunächst 30 Tage geltenden Waffenruhe für ganz Syrien entschärfen soll. Völkerrechtlich bindende Druckmittel enthält der Resolutionstext allerdings nicht. Daher ist unklar, ob sich die Konfliktparteien an die Waffenruhe halten.

Regierungsnahe Quellen berichteten, die syrischen Streitkräfte und ihre Verbündeten hätten eine Militäroperation zur Erstürmung Ost-Ghutas gestartet. Offiziell bestätigt wurden diese Informationen aber zunächst nicht. Berichten zufolge gab es Gefechte zwischen Rebellen und Regierungstruppen an den Außengrenzen des Gebiets. Ein Befehlshaber der Rebellen sagte, seine Truppen hätten den Versuch von Regierungskämpfern, in das Gebiet vorzurücken, zurückgeschlagen.

Das seit 2013 von der Regierung belagerte Gebiet nordöstlich von Damaskus erlebt seit einer Woche die schlimmste Angriffswelle seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren. Seit vergangenem Sonntagabend wurden über 500 Zivilisten getötet, darunter mehr als 120 Kinder, wie die Beobachtungsstelle weiter meldete. Zudem seien mehr als 2400 Menschen verletzt worden. Zehn Krankenhäuser hätten wegen Zerstörungen den Betrieb einstellen müssen.