Berlin (dpa) l Wovor haben die Deutschen am meisten Angst? Die Antwort auf die traditionelle repräsentative Umfrage einer Versicherung klingt in diesem Jahr überraschend. Es ist Donald Trumps Politik – spürbar vor den Sorgen um Zuwanderung und Terrorismus. Von rund 2300 Bundesbürgern ab 14 Jahren antworteten mehr als zwei Drittel, dass Trumps Politik die Welt gefährlicher und ihnen Angst mache. Für Manfred Schmidt, Politikwissenschaftler an der Universität Heidelberg, ist dieses Ergebnis eine kleine Sensation. „So politisch war diese Umfrage noch nie“, sagt er. Die Sorge vor Trump ist für ihn aber kein Auswuchs des gern belächelten Klischees einer „German Angst“. Er hält sie für berechtigt.

Die Studie „Die Ängste der Deutschen“ wird seit 1992 von der R+V-Versicherung in Auftrag gegeben. Die Umfrage, die in diesem Jahr im Juni und Juli lief, gilt Wissenschaftlern als Seismograph der Befindlichkeiten rund um Politik, Wirtschaft, Umwelt, Familie, Gesundheit und privater Sorgen – samt Langzeit-Effekt. Forscher Schmidt analysiert die Umfrage zum 14. Mal. Er hält die Bundesbürger mit dieser Erfahrung als recht realistisch in ihrem Urteil.

Fragen sind entscheidend

Die Ergebnisse hängen aber auch immer davon ab, wie man fragt. Trump als potenzieller Angstmacher sei in diesem Jahr in der Umfrage neu dazugekommen, sagt Brigitte Röm­stedt für die R+V-Versicherung. Nach der Wirkung der Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin oder seines türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan fragten die Interviewer nicht. Neu war auch die Frage, ob der Klimawandel dramatische Folgen hat.

„Es braucht zwei Rahmenbedingungen, damit Angst erzeugt wird", erläutert Schmidt. „Einmal, dass die Medien regelmäßig und mit gehörigem Nachdruck über ein Thema berichten. Und zum zweiten, dass die Politik in großem Umfang eingeschaltet ist.“

Sorge nicht unbegründet

Für irrational hält Schmidt die Sorge vor Trumps Politik deshalb nicht. „Er sorgt in den internationalen Beziehungen für ein großes Maß an Unberechenbarkeit und Destabilisierung“, ergänzt er. „Die Deutschen fürchten Trumps Attacken gegen Europa. Und speziell die Angriffe auf deutsche Handelsgüter und damit verbundene Kosten.“ Dazu stelle der US-Präsident im Grunde die militärische Sicherung der Bundesrepublik durch die Nato in Frage. „Er bringt etwas ins Wanken, was absolut als stabiler Pfeiler galt“, sagt Schmidt.

Weniger überraschend sind für den Forscher dagegen die großen Sorgen im Zusammenhang mit der Zuwanderungsdebatte. Um sechs Prozent stieg im Vergleich zum Vorjahr die Angst vor einer Überforderung durch Flüchtlinge – im Osten und Süden insgesamt stärker als im Westen und Norden.