Washington (dpa) l Die Regierung von US-Präsident Donald Trump will ihr Verteidigungsarsenal mit neuen Atomwaffen von geringerer Sprengkraft ausstatten. Wie aus einem Pentagon-Bericht zur künftigen Nuklearstrategie hervorgeht, soll damit vor allem Russland von etwaigen Angriffen abgeschreckt werden. Der am Freitag veröffentlichte Report geht aber auch auf die „unberechenbare“ Bedrohung durch Nordkorea ein. .

Ersatz auch in Deutschland

Mit der Nuklearstrategie wird auch die bereits seit 2010 geplante Modernisierung der in Europa stationierten US-Atombomben noch einmal bekräftigt. Auf dem Bundeswehr-Stützpunkt im rheinland-pfälzischen Büchel sollen noch etwa 20 Bomben vom Typ B  61-4 lagern. Jede hat etwa die vierfache Sprengkraft der Bombe von Hiroshima. Die in Büchel stationierten „Tornado“-Kampfjets der Bundeswehr würden die Bomben im Ernstfall abwerfen. Die Jahrzehnte alten Bomben sollen nun ab 2021 durch modernere und präzisere B  61-12-Bomben ersetzt werden, heißt es. Die in Europa stationierten Bomben würden „erheblich zur Abschreckung potenzieller Gegner und zur Sicherheit der Alliierten beitragen“.

Das russische Außenministerium warf den USA vor, die Schwelle für einen Nukleareinsatz gefährlich abzusenken. Russland müsse deshalb zu seiner eigenen Sicherheit Maßnahmen ergreifen, hieß es in der ersten Reaktion des Moskauer Ministeriums auf die neue Strategie.

Besondere Besorgnis errege die Ankündigung aus Washington, flexiblere Atomwaffen mit geringer Sprengkraft zu entwickeln. Solche Waffen seien nicht zur strategischen Abschreckung, sondern zum taktischen Einsatz im Gefecht vorgesehen. „Ein Absenken der Nuklearschwelle kann zu einem Krieg mit Atomraketen selbst bei Konflikten von geringer Intensität führen“, warnte das Ministerium.

Laut der neuen Nuklearstrategie will die US-Regierung eine „kleine Zahl“ existierender Atomsprengköpfe von U-Boot-gestützten Langstreckenraketen umrüsten, um über eine Variante mit geringerer Sprengkraft zu verfügen. Langfristig soll zudem ein ebenfalls U-Boot-gestützter atombestückter Marschflugkörper entwickelt werden.

Sprengkraft wie in Hiroshima

Wie groß die Sprengkraft der neuen Typen sein soll, lässt das Pentagon offen. Auch „kleine Atomwaffen“ („mini nukes“) verfügen über ein gewaltiges Zerstörungspotential. Darunter fallen solche mit einer Sprengkraft von bis zu 20 Kilotonnen. Zum Vergleich: Auch die Atombomben, die die USA über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, lagen beide unter 20 Kilotonnen.

Peking beklagte unterdessen, die nukleare Stärke Chinas werde in dem US-Dokument hochgespielt. Das Pentagon arbeite in dem Papier vor allem mit Spekulationen, monierte Ren Guoqiang, der Sprecher des Pekinger Verteidigungsministeriums, laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. China setze auf eine friedliche Entwicklung und verfolge eine defensive nationale Verteidigungspolitik. „Wir hoffen, dass die USA ihre Kalter-Krieg-Mentalität ablegen, Verantwortung für die nukleare Abrüstung übernehmen und Chinas nationale Verteidigung und militärische Entwicklung gerecht beurteilen“, so der Sprecher.

Im Vorwort des 74-seitigen Berichts schreibt Verteidigungsminister James Mattis: „Wir müssen der Wirklichkeit ins Auge sehen und die Welt so sehen, wie sie ist, nicht so, wie wir es uns wünschen.“ Das Pentagon argumentiert, dass die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen durch die Veränderungen nicht sinke, sondern im Gegenteil erhöht werde. Man brauche die Waffen mit geringer Sprengkraft, um über eine „glaubwürdige Abschreckung“ zu verfügen.

Kritiker warnen vor fatalen Folgen. „Es ist ein massiver Versuch, Atomwaffen aus den Bunkern zu holen und aufs Schlachtfeld zu verlegen“, schrieb die Direktorin der Kampagne für atomare Abrüstung (Ican), Beatrice Fihn, auf Twitter. In einem Brief an Trump warnten demokratische Senatoren schon vor der Veröffentlichung des Papiers, dass die Strategie „das Risiko eines atomaren Wettrüstens und die reale Möglichkeit eines nuklearen Konflikts erhöht“.