Erfurt (dpa) l Kurz vor der geplanten Wahl eines neuen Thüringer Ministerpräsidenten haben Spitzenvertreter von Linken, SPD und Grünen ihren neuen Regierungsvertrag unterzeichnet. Neben den Landesvorsitzenden der drei Parteien unterschrieb auch der Linke-Politiker und geschäftsführende Ministerpräsident Bodo Ramelow am Dienstag in Erfurt den Text – als „Ministerpräsidentenkandidat“. In dem Papier verspricht das anvisierte Bündnis, Thüringen „demokratisch, sozial und ökologisch zu gestalten“.

Ramelow will eine rot-rot-grüne Minderheitsregierung anführen. Nach der Unterzeichnung des Regierungsvertrages gilt seine geplante Wiederwahl als letzter Schritt dafür. Gegen ihn tritt der parteilose, ehrenamtliche Dorfbürgermeister Christoph Kindervater an, der von der AfD-Fraktion vorgeschlagen wurde. Thüringens FDP-Chef Thomas Kemmerich hatte angekündigt, im dritten Wahlgang antreten zu wollen, wenn neben Ramelow noch ein AfD-Bewerber im Rennen ist. Vor einer solchen Kandidatur wolle man sich noch mit der CDU abstimmen.

Vier Stimmen fehlen

Linke, SPD und Grüne haben im Parlament keine Mehrheit – ihnen fehlen vier Stimmen. Dagegen könnten AfD, CDU und FDP zusammen mit ihren 48 Sitzen eine Mehrheit erreichen. Allerdings haben Christdemokraten und Liberale kategorisch ausgeschlossen, mit der AfD zusammenzuarbeiten.

Thüringens SPD-Chef Wolfgang Tiefensee appellierte gestern an CDU und FDP, sich bei der Ministerpräsidentenwahl auf keine Kooperation mit der AfD einzulassen. „An CDU und FDP ist es nun, eine wichtige Entscheidung zu fällen“, sagte Tiefensee. Wenn sie Ramelow und Rot-Rot-Grün schon nicht unterstützen wollten, dann dürften sie seine erneute Wahl zum Ministerpräsidenten wenigstens nicht verhindern. Es sei nun an jedem einzelnen Abgeordneten des Landtages, Verantwortung für die Zukunft des Freistaates zu übernehmen.

Kabinett nicht komplett

Allerdings standen auch gestern noch nicht alle Minister für die angepeilte Regierung fest. Unklar blieb zuletzt, mit welchem Personal die Linken ihre Posten besetzen wollen.

Derweil erklärte der schleswig-holsteinische Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU), seine Partei müsse offen dafür sein, auf Landesebene notfalls auch eine Minderheitsregierung mit Beteiligung der Linken zu dulden. „Zum Markenkern der CDU hat es immer gehört, dass wir, egal wie schwierig die Situation war, uns immer in Verantwortung begeben haben“, sagte Günther den Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft mit Blick auf Thüringen. „Die Antwort kann nicht sein, dass wir stur heil in die Opposition gehen."