Rio de Janeiro (dpa) l Mit einem Traumtor rettete Brasiliens Ex-Nationalspieler Felipe Melo seine Mannschaft Palmeiras aus São Paulo vor einer Niederlage gegen Salvador de Bahia. Im Jubel ging zunächst unter, wem er seinen Treffer widmete. „Dieses Tor ist für unseren zukünftigen Präsidenten Jair Bolsonaro“, legte Melo beim Gang in die Kabine nach.

Der Rechtspopulist gilt inzwischen als Hoffnungsträger für breite Bevölkerungsschichten. Und das, obwohl er über Frauen, Afro-Brasilianer und Ureinwohner hetzt und Schwule und Lesben verunglimpft. Vor der Präsidentenwahl am 7. Oktober führt Bolsonaro die Umfragen mit 26 Prozent an. Der ehemalige Fallschirmspringer gilt als Bewunderer der Militärdiktatur (1964-1985) und sieht sich als Sprachrohr der Enttäuschten.

Korruption erschüttert Brasilien

Noch nie seit dem Ende der Diktatur war die politische Stimmung so polarisiert. Bolsonaros Aufstieg ist nur vor den Hintergrund der vergangenen Jahre zu verstehen. Seit mehr als vier Jahren kommen fast täglich neue Fälle in Lateinamerikas größtem Korruptionsskandal „Lava Jato“ („Autowäsche“) ans Licht, in den Politiker aller etablierten Parteien verwickelt sind. Der linke Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva wurde zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt und kann bei den Wahlen nicht antreten. Er streitet alle Vorwürfe ab und spricht von einem politischen Komplott, um ihn als aussichtsreichen Kandidaten zu verhindern.

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Sein Nachfolger als Kandidat der linken Arbeiterpartei, Fernando Haddad, liegt derzeit auf dem zweiten Platz in den Umfragen.

„Früher habe ich Lula gewählt“, sagt zum Beispiel der 35-jährige João Pedro do Campos aus São Paulo, der als Berater in einer Bank arbeitet. „Aber jetzt ist für mich Bolsonaro der Einzige mit einer reinen Weste.“ Sein Kollege Luciano Motta, der sich als unpolitisch bezeichnet, pflichtet ihm bei. Natürlich habe auch er angesichts frauenfeindlicher Äußerungen überlegt, ob Bolsonaro als Präsident infrage komme. „Aber vieles war nur Polemik und wurde von den Medien aufgebauscht. Inzwischen ist Bolsonaro moderater geworden.“

Typische Wählerklientel

Motta und do Campos zählen zur typischen Wählerklientel Bolsonaros: Sie sind männlich, weiß und gehören der Mittel- oder Oberklasse an. Aber auch die 59-Jährige Hausfrau Cecília Ramos macht Wahlkampf für ihn. Vorwürfe, er habe sich abwertend über Frauen geäußert, weist sie energisch zurück. „Er ist ein guter Familienvater und hat nie gesagt, dass Frauen weniger wert sind. Das sind alles Erfindungen seiner Neider.“

Der Rechtspopulist lehnt gleiche Bezahlung für Frauen und Männer ab, da Frauen „das Risiko einer Schwangerschaft“ hätten. Einer Abgeordneten warf er mehrfach an den Kopf, dass sie es nicht verdiene, vergewaltigt zu werden, weil sie viel zu hässlich sei. Sein Parlamentsmandat verlor Bolsonaro nicht, er musste lediglich eine Strafe zahlen.

Bolsonaro hat die Streitkräfte hinter sich. Und er hat schon verkündet, dass er nur verliert, wenn Wahlbetrug im Spiel ist.

Viele Brasilianer sind ratlos, wenn sie an die Präsidentschaftswahlen denken. Sie haben Angst, dass die Wirtschafskrise mit Rekordarbeitslosigkeit und einer weiteren Abwertung der Landeswährung Real weiter anhält. Andere befürchten einen Militärputsch ähnlich wie in Chile, als 1973 der rechtmäßig gewählte Präsident Salvador Allende aus dem Amt gejagt wurde.