Hochstapler vor Gericht: Ärzte, die gar keine sind

Schönheitschirurg: Mit gefälschten Dokumenten gab sich ein Mann in Bayern als plastischer Chirurg aus und nahm Dutzende Schönheitsoperationen vor. Im Juli wurde er zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Anästhesist: Es ging ihm nicht um Geld, sondern um Anerkennung: Ein 27-jähriger Mann eignete sich medizinische Kenntnisse während Praktika und einer Tätigkeit als Rettungshelfer an. Er fälschte seine Zulassung und arbeitete als Anästhesist. 2011 wurde er in Stuttgart zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Zahnarzt: Hunderte Patienten hat ein falscher Zahnarzt in Nordrhein-Westfalen behandelt, erst in der dritten Praxis flog der Schwindel auf. Der 33-Jährige hatte gefälschte Zeugnisse. Selbst seine Frau, eine Zahnarzthelferin, wusste nichts von dem Schwindel. Er wurde 2014 zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Psychologe: Ein verurteilter Drogenschmuggler gab sich als Doktor der Psychologie aus, fast zwei Jahre lang arbeitete er als therapeutischer Leiter einer Drogenklinik am Niederrhein. 2010 wurde er zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Düren (dpa) l Jahrelang ging alles gut: Niemand schöpfte Verdacht. Der 40-Jährige in dem weißen Kittel war für alle der Herr Doktor. Er konnte sich mit der Zeit sicher fühlen. Wenn nur die Sache mit der Doktorarbeit nicht gewesen wäre.

Jetzt hat ein Dürener Krankenhaus den mutmaßlichen Hochstapler gefeuert und der Mann ist ein Fall für den Staatsanwalt. Viele mögen sich beim nächsten Krankenhaus- Besuch fragen, ob in dem weißen Kittel wirklich ein richtiger Arzt steckt. Der in Düren soll in der Chirurgie gearbeitet haben.

Die Enttarnung begann mit dem fachlichen Interesse eines Kollegen. Der wollte die Doktorarbeit lesen, die aber nicht existierte. Also fand er sie auch nicht, wie der Sprecher des Dürener Krankenhauses, Christoph Lammertz, sagte. Dem Arzt-Kollegen kam das komisch vor. Er informierte die Klinikleitung: Die fragte bei der Uni nach, wo der Mann angeblich promoviert hatte.

„Wir haben von der Universität die Mitteilung bekommen, dass diese Arbeit niemals geschrieben wurde“, sagte Lammertz. Auch die zweite angebliche Doktorarbeit war Schall und Rauch.

Eigentlich konnte sich die Klinikleitung sicher sein, dass sie damals bei der Einstellung keinem Hochstapler aufgesessen war: Der Bewerber hatte zwar einen guten Ruf, aber die Dürener fragten sicherheitshalber bei der Bezirksregierung Köln nach, ob mit der beruflichen Zulassung alles in Ordnung sei.

Erst nach gewachsenem Misstrauen wurde das Landesprüfungsamt eingeschaltet: Der Mann war dort ein unbeschriebenes Blatt – hatte also keine Prüfungen abgelegt.

Studenten müssen für eine ärztliche Berufserlaubnis bei der Bezirksregierung ein „Zeugnis über die ärztliche Prüfung“ vorlegen: „Bei 1500 Approbationen, die wir im Jahr erteilen, können wir nicht unbedingt jedes einzelne Zeugnis intensiv überprüfen, indem wir beim Landesprüfungsamt nachfragen“, sagt ein Behördensprecher. Bei Auffälligkeiten werde das natürlich gemacht.

Nach Angaben des Krankenhauses hatte der Mann tatsächlich Medizin studiert. Frisch von der Uni ging er erst mal in ein anderes Krankenhaus im Rheinland und stellte sich wohl ganz gut an: Er kam mit einem guten Zeugnis nach Düren.