Wörter des Jahres

2014: Lichtgrenze

2013: GroKo

2012: Rettungsroutine

2011: Stresstest

2010: Wutbürger

2009: Abwrackprämie

2008: Finanzkrise

2007: Klimakatastrophe

2006: Fanmeile

2005: Bundeskanzlerin

2004: Hartz IV

Wiesbaden (dpa) l Das Wort des Jahres 2015 lautet „Flüchtlinge“. Der Begriff sei stark im deutschen Wortschatz verankert und bringe die zentrale gesellschaftliche Diskussion auf den Punkt, begründete die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden gestern die Entscheidung.

Auf Rang zwei landete „Je suis Charlie“, der weltweite Solidaritätsslogan nach dem Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ am 7. Januar in Paris. Auf Rang drei folgte „Grexit“, das Wortgebilde für die Diskussion um einen Austritt des krisengeschüttelten Griechenlands aus der Eurozone.

Das Wort „Flüchtlinge“ sei auch sprachwissenschaftlich interessant, sagte der GfdS-Vorsitzende Prof. Peter Schlobinski. „Das „ling“ hat ja einerseits eine passive Komponente, wie in dem Wort Findling, und auf der anderen Seite eine leicht negative wie bei Emporkömmling.“ In Kreisen, die besonders auf politische Korrektheit achteten, werde daher oft der Begriff „Geflüchtete“ bevorzugt. „Ich glaube, dass ‚Flüchtling‘ letztlich bleibt, dass ‚Geflüchtete‘ keine Chance hat“, sagte Sprachwissenschaftler Schlobinski.

Die Jury hatte aus rund 2500 Vorschlägen einen Begriff gewählt, der das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich besonders bestimmt hat. „Und wir wollten natürlich gesellschaftspolitisch ein Zeichen setzen“, erklärte Schlobinski.

Das zweitplatzierte „Je suis Charlie“ stehe für die weltweite Solidarität für die Pressefreiheit und gegen religiösen Fanatismus. Und der Satz spiele ebenfalls sprachwissenschaftlich eine Rolle. „Normalerweise entlehnen wir ja sehr viel aus dem Englischen, jetzt haben wir – sehr selten – etwas aus dem Französischen.“

Auf der aktuellen Top-zehn-Hitliste der Jury der Wiesbadener Sprachforscher standen außerdem die Begriffe Selektorenliste (Platz 4), Mogel-Motor (5), durchwinken (6), Selfie-Stab (7), Schummel-WM (8), Flexitarier (9) sowie der Ausruf „Wir schaffen das!“ (10).