Amsterdam (dpa) l In der Nacht zum 14. Januar 1916 peitscht ein eisiger Südwest-Sturm über die Niederlande. Heftiger Regen ergießt sich über weite Teile des Landes. Deiche brechen. Das Wasser stoppt erst kurz vor den Toren von Amsterdam. Dutzende Menschen verlieren in dieser Nacht ihr Leben. Seither hat sich das Land verändert.

Die Jahrhundertflut war Anlass für das bis dahin größte Wasserschutzprogramm in der Geschichte der Niederlande. Ein ganzes Meer wurde eingedämmt und neues Land aus dem Wasser gewonnen.

Kernstück des Planes von Ingenieur Cornelis Lely war der Abschlussdeich, der die nördlichen Provinzen Friesland und Nord-Holland miteinander verbinden sollte. 1920 begannen die Arbeiten, und am 28. Mai 1932 war es soweit: Die Zuiderzee, der südliche Teil der Nordsee, war vollständig von der Nordsee abgeschlossen. Durch den 32 Kilometer langen Deich wurde aus dem einstigen Meer ein Süßwasser-See, das Ijsselmeer.

Aber es sollte auch fruchtbares Ackerland aus dem einstigen Meer gewonnen werden. Große Teile wurden trockengelegt. Polder entstanden – drei Meter unter dem Meeresspiegel. Vor 30 Jahren, Anfang 1986 wurden diese Polder offiziell zur 12. Provinz des Landes erklärt: Flevoland.

Heute hat Flevoland viel von seinem jugendlichen Glanz verloren. Trotzdem ist es tatsächlich ein Paradies: Es entstand eine einzigartige Wildnis. Denn man hatte nicht alles Land trockengelegt, gut fünfeinhalbtausend Hektar Marschland der Natur überlassen. Hier gibt es wilde Konik-Pferde, Heckrinder, Hirsche, Seeadler.

An die Schrecken der wilden Zuiderzee erinnern inzwischen nur noch die Ruinen der Insel Schokland, die nun mitten auf dem Land liegt und als Symbol für den Kampf gegen das Wasser zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurde.