Astronauten-Zwillinge

Markante Nase, Glatze und den gleichen konzentrierten Blick aus den blauen Augen: Dass Mark und Scott Kelly eineiige Zwillinge sind, ist offensichtlich. Im Abstand von sechs Minuten wurden sie 1964 geboren, rund 30 Jahre später schafften beide die Aufnahmeprüfung zur Astronautenausbildung der Nasa. Heute sind die inzwischen 52 Jahre alten Männer das erste und bislang einzige Geschwisterpaar, von dem beide im All waren.

Die Dienste der Kelly-Zwillinge sind aber nicht nur im All wertvoll für die Nasa. Während Scott Kelly gerade fast ein Jahr auf der Internationalen Raumstation ISS verbrachte, blieb sein Bruder auf der Erde und dient mit seinem nahezu identischen Erbgut als Vergleichsproband.

Ziel der Zwillings-Studie: Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich lange Weltraumreisen auf den Menschen auswirken. Interessant sind Vergleiche vor allem in Bezug auf höhere Dosen kosmischer Strahlung, Muskel- und Knochenschwund, geschwächtes Immunsystem, Probleme mit den Augen und mögliche Folgen für das Erbgut.

Moskau/Houston (dpa) l Es ist ein seltener Gefühlsausbruch für einen russischen Raumfahrer, nach fast einem Jahr ununterbrochen im All. „Nachrichten von der Erde sind wie ein Hauch frischer Luft, wie Vitamine. Wir sehen sie jeden Abend beim Essen“, sagt der Kosmonaut Michail Kornijenko in einer Grußbotschaft von der Internationalen Raumstation ISS. Dann zeigt er auf seinen US-Kollegen Scott Kelly: „Eine Freundschaft im Weltraum ist für immer.“ Kelly wirkt gerührt.

Seit März 2015 arbeiten die Männer auf dem Außenposten der Menschheit. Am Mittwoch sollen Kornijenko (55) und Kelly (52) zur Erde zurückkehren. Dabei wäre er eigentlich auch gerne noch länger geblieben, sagte Kelly kurz vor seinem Rückflug bei einer per Video übertragenen Pressekonferenz. „Ich könnte auch noch 100 Tage bleiben, oder auch noch ein Jahr, wenn das sein müsste“, ergänzte der mit verschränkten Armen aufrecht in der ISS schwebende Astronaut. „Es ist nicht so, dass ich hier schon an den Wänden kratze und es gar nicht mehr abwarten kann.“

Mission ist Test für Flug zum Mars

Rund ein Jahr im Kosmos: So lange lebte noch kein Raumfahrer ununterbrochen auf der ISS rund 400 Kilometer über der Erde. Und nun gleich zwei – ein Russe und ein US-Amerikaner, ausgerechnet in der größten politischen Krise seit dem Kalten Krieg. „Wenn auch die Beziehungen zwischen Russland und den USA einige Schwierigkeiten erlebt haben, wir arbeiten im All erfolgreich Seite an Seite“, sagt Kornijenko.

Auf der Erde kontrollieren Mediziner ständig den Zustand der beiden Langzeitraumfahrer, die doppelt so lange im All sind wie sonstige ISS-Besucher. Die Ärzte interessiert auch, ob die Männer nach der Landung in Kasachstan eigenmächtig ihre Kapsel werden verlassen können. Denn die Jahresmission ist ein Test für einen Flug zum Mars, und dort wird den Ankömmlingen nach monatelanger Reise niemand aus dem Raumschiff helfen. Die permanente Schwerelosigkeit im Weltall schwächt die Muskeln und Knochen erheblich.

Die ISS sei zwar ein „magischer Ort“, aber das Leben dort auch einschränkend und anstrengend, sagt Kelly. „Man fühlt sich nie ganz normal. Dass alles immer schwebt, macht den Alltag sehr viel schwieriger. Und man hat kein fließendes Wasser – ich fühle mich wie nach einem Jahr Camping im Wald.“

Ein anderes Problem ist der Abbau der Sehqualität. Etwa 70 Prozent der Raumfahrer, die ein halbes Jahr auf der ISS waren und älter sind als 50 Jahre, hätten Sehprobleme, sagt Jörn Rittweger vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Im Zentrum der Jahresmission steht die Frage, ob es zwei Raumfahrer so lange miteinander aushalten. Der Druck während eines Zehn-Stunden-Arbeitstages ist groß. Und als privaten Ort haben die Astronauten nur ihre Schlafkoje. Am schwierigsten aber sei es, „solange von den Menschen, die einem wichtig sind, isoliert zu sein“, berichtet Astronaut Kelly.