Kienitz (dpa) l Das alte Dammmeisterhaus im Oderbruch-Örtchen Kienitz (Märkisch-Oderland) ist zu einer Schiffswerft geworden. Der hölzerne Katamaran, an dem Bootsbauingenieur Frank Ladewig und ein Dutzend Mitstreiter bauen, füllt fast den gesamten Raum. Rund 15 Meter lang und über sieben Meter breit ist der Rohbau bereits. Wenn er nächstes Jahr in die Oder eingesetzt werden soll, muss zunächst eine Wand des jahrhundertealten Hauses herausgenommen werden. "Auf jeder Seite haben wir dann drei Zentimeter Platz", sagt der Bootsbauer.

"Follow your dreams" – folge deinen Träumen – nennt sich das Abenteuer, das Ladewig bereits seit Jahren im Kopf hat. "Ich bin schon häufig durch die Welt gesegelt, wollte eine echte Weltreise im Sinne der Völkerverständigung aber in einer Gemeinschaft unterschiedlichster Nationen machen", erzählt der gebürtige Herzberger. Und so gehören zu denen, die mit ihm am Katamaran bauen, neben Deutschen auch Franzosen, Amerikaner, Portugiesen, Skandinavier und Spanier. "Zumeist sind das alte Bekannte und Leute, die ich auf meinen bisherigen Reisen kennengelernt habe, so wie Anke Kidszun, die ich am Strand in Neuseeland traf." Frank habe ihr von seiner Idee erzählt und sie habe einfach am Boot mit bauen wollen, erzählt die 49-jährige Lehrerin von der Insel Rügen, die regelmäßig für ein paar Tage nach Kienitz kommt.

113.400 Seemeilen

In zwei Jahren soll Ladewig auf die zehn Jahre und 113.400 Seemeilen angelegte Mission starten, angefangen mit der Bootstaufe am Berliner Stadtschloss auf der Spree. Und dass hat seinen Grund: In das Segelschiff eingebaut wird unter anderem Parkett, dass aus alten Eichen-Fundament-Pfeilern gemacht wurde, die beim Abriss des Palastes der Republik zum Vorschein kamen. "Wir wollten ein Stück Geschichte mitnehmen auf die Reise", meint Ladewig. Der 59-Jährige hat offenbar gute Kontakte, unter anderem zum Förderverein Stadtschloss Berlin. Jede Menge Baumaterial wird der "fye-adventure" – wie sich die insgesamt 100 Unterstützer zählende Organisation nennt – von Firmen gesponsert. "Ich habe die angerufen und erklärt, was wir vorhaben und keiner hat abgelehnt", meint der Bootsbauer.

Auch dabei ist das Unternehmen Roggemann aus Wandlitz (Barnim), das laut Ladewig fast die Hälfte des benötigten Holzes zur Verfügung stellt. Prokurist Jürgen Lühmann schaut selbst regelmäßig auf der Baustelle vorbei. "Dieser Enthusiasmus hier ohne kommerzielle Hintergedanken hat mich beeindruckt. Das Projekt will die Welt auf menschliche Art zusammenbringen, das hat mich überzeugt", sagt er. Er selbst wolle gern ein Stück mitsegeln, sagt Lühmann.

Forschungs- und Entdeckungsreise

Das ist auch das Credo der auf zehn Jahre angelegten Forschungs- und Entdeckungsreise: Die Besatzung – zwölf Personen gleichzeitig können auf dem Katamaran leben – soll wechseln. Mehr als 100 Länder werden besucht, um Menschen kennenzulernen, ihre Geschichten zu hören, gemeinsam zu musizieren. "Wir wollen mit diesen Begegnungen dem aktuellen, primitiven Rassismus etwas entgegensetzen", sagt Ladewig, der die gesamte Reise filmisch dokumentieren will.

Vor acht Jahren hatten er und sein bester Freund Morgan Y. Briand das seit Jahren leerstehende Grundstück mit der Hausruine in Kienitz gekauft. Anfangs hätten die Alteingesessenen die zunächst im Zelt lebenden Neuankömmlinge skeptisch beobachtet, wie beide erzählen. Eine junge Frau aus dem Dorf gehört inzwischen zu den Helfern. Sie brachte schließlich ihren Mann mit. "Das ist genau das, was ich möchte: Einfach mitmachen", sagt der Bootsbauer.

Keine normale Touristentour

Auch der Kienitzer Landwirt und Holzschnitzelproduzent Sebastian Streich ist inzwischen Fan des Projekts. Er wird den fertigen Rohbau mit zwei Traktoren über die Wiesen bis zur Oder ziehen. "Wir haben uns von Anfang an gegenseitig geholfen, wie man das unter Nachbarn eben so macht", sagt er. Auch Streich hätte Lust auf ein, zwei Wochen Seeabenteuer, wie er bekennt. "Das ist schließlich was ganz anderes als eine normale Touristentour."

So einen Katamaran in dieser Form habe er schon zwanzigmal gebaut, sagt Ladewig. "Der ist absolut seetauglich, unsinkbar. Die Stabilität kommt durch die Breite". Kleinere Kollisionen würden durch sogenannte Crashboxen in beiden Schwimmern abgefangen. Noch etwa 500.000 Euro müssten investiert werden, bevor die Reise tatsächlich starten könne, schätzt der Wahl-Kienitzer, der dafür weitere Spender sucht. Schwimmt das Boot erst auf der Oder, beginnt der Innenausbau. Kombüse, Salon, zwei Bäder, Schlafkojen in sechs Doppelkabinen. Cockpits wird es sowohl am Bug, als auch am Heck geben. Damit lasse sich der Katamaran flexibel steuern, erklärt der erfahrene Bootsbauer.

Anfang Juli war auch der scheidende Landtagsabgeordnete der Grünen, Michael Jungclaus, mit seiner Frau Uta zu einer dreijährigen Weltumsegelung aufgebrochen. Bei der "Sailing for the Planet"-Tour will das Paar Folgen des Klimawandels und der Umweltverschmutzung dokumentieren und für einen nachhaltigen Lebensstil werben.