München (dpa) l  Das Gewissen sei, so sagt die Legende, wie ein Stein, der sich bei jeder Sünde einmal in deinem Herzen dreht. Der nutzt sich deshalb bei den großen Sündern schneller ab als bei den kleinen. So dass es bösen Menschen immer leichter fällt, Unrechtes zu tun.

Die US-Amerikanerin Celeste Sweeney kann in ihrem Leben also nicht viel gesündigt haben. Denn auch mit 73 Jahren hat ihr Stein noch Ecken und Kanten genug, um immer wieder auf diesen Bierkrug hinzuweisen, den sie vor 55 Jahren aus dem Hofbräukeller geschleppt hatte.

Es war an einem ausgelassenen Sommerabend 1965, als die 18-jährige Amerikanerin als Touristin im Hofbräuhaus zuerst das bayerische Bier trank - und dann im Überschwang das zugehörige Steingefäß unter ihrem Trenchcoat mitgehen ließ.

Seitdem ist viel Zeit vergangen, doch die Reue blieb. Die mittlerweile 73 Jahre alte Frau zog viele Male um; mal stand der Krug in einem Regal, mal lag er in einer Kiste - bis die gläubige Christin schließlich im Dezember 2019 beschloss, dass es an der Zeit war: Sie schickte den Krug zusammen mit ein paar Zeilen zurück nach München.

Und noch eine Weisheit: „Ehrlich währt am längsten“.Der Wirt im Hofbräukeller war nämlich so erfreut, dass endlich mal ein Humpen von dem vielen, die nach Australien, Neuseeland oder England verschwinden, zurückkam, dass er der guten Frau einen Krug geschenkt hat und ein paar Maß obendrauf.