Hannover l Die zuweilen bizarre Debatte um „gendergerechte Sprache“ hat durch den Vorstoß von Hannovers Oberbürgermeister, den kompletten amtlichen Sprachgebrauch künftig geschlechtsneutral zu gestalten, neue Nahrung bekommen. Rednerpult soll ab sofort Redepult heißen (so ein Tischchen ist ja schließlich kein Mann). Wähler (auch nicht zwingend ein Mann) wird Wählender, Lehrer Lehrender undsoweiter. Das Argument, Sprache lebt und ist schließlich immer in Bewegung, ist grundsäzlich nachvollziehbar. Allerdings zeigt die Geschichte, dass Sprache sich selbst entwickelt. Und dass verordnete Bezeichnungen in den allermeisten Fällen spätestens zusammen mit dem Verordner bald wieder von der Bildfläche verschwinden.

Aber weil wir gerade beim Verordnen sind: Wir Männer haben wirklich lange geschwiegen. Jetzt allerdings ist mal Schluss. Wir möchten nicht mehr qua Sprache beinahe demütigend als allzeit verfügbare, devote Dienstleister bezeichnet und wahrgenommen werden. Ab sofort soll Schneeschieber deshalb Schneeschiebender heißen, das kann man ja wohl verlangen. Das gleiche bitte auch für: Handfeger. Teigschaber. Waschverstärker. Sekundenkleber. Schaumschläger. Totengräber. Kilometerzähler. Schuhspanner. Armleuchter. Korkenzieher. ...

Und nun legen wir mal den Kugelschreibenden beiseite, überlegen, ob wir das Thema mit dem Oberbürgermeisternden oder wenigstens seinem Vertretenden bei einem kühlen Radelnden (oder Alsternden) zu Ende diskutieren.