Magdeburg l Bildungsminister eines Bundeslandes zu sein, ist zumindest aktuell vermutlich nicht vergnügungssteuerpflichtig.

Beispiel Sachsen-Anhalt. Marco Tullner (CDU) muss sich rumschlagen mit so Dingen wie: Distanz- und Wechselunterricht, miserable Hygiene- und Digitalausstattung der Schulen, äußerst bockige Bildungs-Server, die sich wiederholt keinen Deut um das scheren, was der Minister versprochen hat. Dazu Schüler, Eltern und Lehrer, die von all dem langsam gründlich die Nase voll haben – und das auch zunehmend artikulieren.

Da will man doch einmal im Jahr ein bisschen Spaß haben – und verbreiten. Und sei es bei seinem Neujahrsgruß. Auf Twitter garnierte der Minister ein paar optimistische Sätze mit dem Leitspruch „Vorwärts immer, rückwärts nimmer.“ Den Spaß, den Marco Tullner bei seiner Botschaft empfunden haben mag, können viele Lehrer allerdings nur schwer nachvollziehen. Nicht wenige fühlen sich angesichts der Verwendung eines Honecker-Zitats regelrecht vera...t. „Was will der Bildungsminister unseres Landes damit bezwecken?“ fragt zum Beispiel Burghardt Knobbe aus Halberstadt. „Ist ihm der historische Hintergrund dieser Zeilen etwa nicht geläufig?“ Honecker hat diesen Ausspruch zum 40. Jahrestag der DDR getätigt. 1989, als das System schon am Ende war.

Wollte Tullner mit der Verwendung des Honi-Spruches womöglich subtil auf den Zustand unseres Schulsystems hinweisen? Ja, Bildungsminister eines Bundeslandes zu sein, ist eben nicht vergnügungssteuerpflichtig.