Bremerhaven (dpa) l Tiere füttern und streicheln: So stellen sich viele die Arbeit eines Zootierpflegers vor. Dass der Berufsalltag wesentlich vielfältiger – und auch härter ist – wusste Marc Tezlaff schon zu Beginn seiner Ausbildung im Zoo am Meer in Bremerhaven. "Das ist mehr körperliche Arbeit als man denkt", sagt der 21-Jährige. Auch viel Wissen musste er sich aneignen: Über Sicherheit, Transportmethoden oder Artenschutz. Das gelang ihm so gut, dass er seine Ausbildung zum Tierpfleger, Fachrichtung Zoo, in diesem Jahr als bester bundesweit abschloss.

95 von 100 Punkten erreichte er und ließ damit die anderen mehr als 150 Prüflinge seines Jahrgangs hinter sich. Vor kurzem wurde er dafür vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag in Berlin geehrt. Für seine Chefin, Zoodirektorin Heike Kück, war das keine Überraschung. "Einen so außergewöhnlichen Auszubildenden hatten wir noch nie", sagt sie.

Spielzeuge für Tiere gebastelt

Schon zu Beginn seiner Lehrzeit sei er bei den Besucherseminaren sehr gut auf alle Fragen vorbereitet gewesen. "Er wusste genauso viel wie ich, er hat immer souverän geantwortet." Sehr kreativ habe er Spielzeug für die Tiere gebastelt, damit sie beschäftigt werden. So fertigte er für die Schimpansen aus Feuerwehrschläuchen Hängekörbe mit kleinen Taschen, in denen Sachen versteckt werden können.

Die Schimpansen seien "mit Abstand" seine Lieblingstiere, sagt Tetzlaff. "Mich begeistern Menschenaffen. Jedes Tier hat ganz extrem seinen eigenen Charakter." Ein Gespür für Tiere sei sehr wichtig als Zootierpfleger. "Gerade Wildtiere verbergen es geschickt, wenn es ihnen nicht gut geht. Nur so können sie in freier Wildbahn überleben. Da muss man genau hinschauen", sagt der Azubi.

Selbstverständlich wollte er schon Tierpfleger werden, als er klein war, sagt Tetzlaff: "Für mich kam nie etwas Anderes in Frage." Als Kind wuchs er in Grevesmühlen in Mecklenburg-Vorpommern auf und war dort oft im Zoo. Sein Vater ist Forstwirt, mit ihm war er viel im Wald unterwegs. Nach dem Abitur war für ihn klar, dass er nicht an die Uni geht, sondern sich um einen Ausbildungsplatz in einem Zoo bewirbt. "Einen Plan B gab es nicht", sagt er.

Schülern von Seehunden erzählt

Im Zoo am Meer in Bremerhaven startete er 2015, schon bald arbeitete er sich so gut ein, dass er die kommentierte Pinguinfütterung vor Besuchern übernahm oder Schülern von den Seehunden erzählte. Nach seiner bestandenen Prüfung arbeitet er nun bis Sommer 2019 erst einmal weiter im Zoo am Meer. Dann will der Geselle für ein Jahr nach Vietnam in ein Rettungszentrum für Primaten gehen. "Artenschutz ist mir sehr wichtig", betont er.