Berlin (dpa) l Aktuell verweisen Gegner der staatlichen Pandemie-Maßnahmen auf eine Analyse aus Dänemark, nach der angeblich Mund-Nasen-Bedeckungen gegen die Verbreitung des Erregers Sars-CoV-2 „so gut wie gar nichts“ nützten.

Richtig ist, dass in der Studie auf einen moderaten Schutzgrad für den Maskenträger hingewiesen wird. Außerdem haben die Forscher nicht untersucht, wie sich eine Mund-Nasen-Bedeckung auf andere auswirkt. In vielen Studien ist belegt, dass Masken das Gegenüber vor einer Ansteckung schützen können.

Am 18. November 2020 veröffentlichte ein Team um die dänischen Professoren Henning Bundgaard und Kasper Iversen in der Fachzeitschrift „Annals of Internal Medicine“ eine Studie über die Wirksamkeit von Masken im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Dabei nahmen im Frühjahr in Dänemark 6026 Probanten an einer Untersuchung teil, 4862 davon schlossen das Experiment ab.

Sie wurden in etwa zwei gleich große Teilnehmergruppen aufgeteilt. Die einen sollten über vier Wochen täglich für drei Stunden außerhalb der eigenen vier Wände eine chirurgische Maske tragen. Die andere Gruppe sollte ohne Mund-Nasen-Bedeckung außer Haus gehen. Nicht betrachtet wurden selbst genähte Alltags- oder FFP-Masken. Alle Teilnehmer wurden nachdrücklich aufgefordert, die weiteren Corona-Empfehlungen der Behörden zu befolgen – etwa die Hände zu waschen und Abstand zu halten.

Im Ergebnis der Studie infizierten sich 1,8 Prozent der Maskenträger mit dem Coronavirus, 2,1 Prozent waren es in der anderen Gruppe. Die dänischen Forscher hatten eigentlich damit gerechnet, dass ein Mundschutz das Infektionsrisiko halbieren würde. Das konnte nicht bestätigt werden. In der Studie heißt es, es habe keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Infektionsrate zwischen beiden Gruppen gegeben.

Der moderate Schutzgrad

Die Ergebnisse könnten aber auf einen moderaten Schutzgrad von 15 bis 20 Prozent hinweisen. Dennoch wollten die Autoren der Studie nicht ausschließen, dass die Maske dem Träger keinen Schutz bietet. In sozialen Medien erhielt das Papier daher massive Aufmerksamkeit. Häufig wurde es als Beweis für die gänzliche Nutzlosigkeit von Masken bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie herangezogen. Doch das ist falsch.

Solch einer Auslegung widersprechen die Wissenschaftler und Forscherinnen, die an der Studie beteiligt waren: „Es sollte daher betont werden, dass diese Ergebnisse nicht dazu verwendet werden können, die weit verbreitete Verwendung von Masken (...) als wirksames Mittel zur Reduzierung von Sars-CoV-2-Infektionen infrage zu stellen“, heißt es in ihrer Pressemitteilung.

Zudem wurde in der Untersuchung nicht explizit analysiert, wie sich der Mund-Nasen-Schutz auf das Umfeld auswirkt. Unter dem Punkt „Beschränkung“ heißt es: „Keine Bewertung, ob Masken die Krankheitsübertragung von Maskenträgern auf andere verringern könnten.“

Das wiederum zeigt eine sogenannte Meta-Studie der US-Gesundheitsbehörde CDC, in der mehrere wissenschaftliche Untersuchungen zum Maskentragen ausgewertet wurden. In dem Papier kommt man zu dem Schluss, dass eine Maske andere vor Ansteckungen bewahrt. Zusätzlich schützt sie bis zu einem gewissen Grad sogar denjenigen, der sie trägt. Masken könnten „dazu beitragen, zukünftige Lockdowns zu vermeiden“ – insbesondere in Kombination mit Abstand halten, Handhygiene und Belüftung, heißt es.