Magdeburg l Wie gefährlich sind soziale Netzwerke wie Facebook, wenn plötzlich die digitale Wirklichkeit zur Realität in der echten Welt wird? Eigentlich sollte es am Donnerstag, 9. Januar 2020, nur ein harmloses Programmiercode-Update geben. Doch plötzlich waren für mehrere Stunden die Personen hinter den Seiten wie beispielsweise Greta Thunberg und Donald Trump zu sehen. Erst am Freitag, nachdem Facebook durch einen Sicherheitsforscher darauf aufmerksam gemacht worden sei, wurde die Datenpanne behoben.

Die Zeit war jedoch ausreichend für viele Internet-User und sogenannte Doxing-Profis, um die privaten Daten von Prominenten und Politikern zu sammeln und zu veröffentlichen.

Papa postet für die Tochter

Hinter dem Account der Umweltaktivistin Greta Thunberg, die beispielsweise am 4. Januar 2020 einen Beitrag zu der Feuer-Katastrophe in Australien veröffentlichte, steckt das Profil ihres Vaters Svantje. In einer Stellungnahme nach der Datenpanne erklärte Greta, dass zwar jeder Beitrag von ihr sei, jedoch ihr Vater und ein Freund diese publizieren würden.

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Auch der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, wurde von Doxing-Profis auf der Internetplattform 4chan.org hochgeladen. Dort ist zu sehen, dass Mike Hahn viele der Postings des Staatsoberhauptes veröffentlicht. Er ist laut der Berufeplattform Linkedin der Social-Media-Strategist von Trump.

Neben Trump und Thunberg sind zudem auf der Plattform "4chan" die Macher hinter den offiziellen Seiten von Justin Trudeau, dem Staatsoberhaupt Kanada, Snop Dogg, ein amerikanischer Rapper, Banksy, einem unbekannten britischen Künstler und der katholischen News-Agentur (CNA) zu finden.

Reale Gefahr

Durch die digitale Panne bei Facebook steht nun insbesondere Greta Thunberg in der Kritik. Das Datenleck ist Wind in den Segeln der Facebook-Surfer, die meinen, Greta sei durch ihr Umfeld gesteuert.

Gefährlich wird es auch für viele Kritiker in totalitären Systemen, die regime-kritische Seiten auf Facebook betreiben. Nun waren ihre Account-Daten für alle frei verfügbar. Viele haben sich durch Fake-Profile im Vorfeld getarnt. Jedoch sind diese laut Facebook verboten und können gelöscht werden. Somit stünden auch die kritischen Seiten, falls nur ein Administrator angegeben ist, vor dem Aus.

Auch Künstler wie der britische Banksy, dessen Account durch das (Fake-)Profil Fabio Ramirez Gonzalez aus Pereira in Kolumbien verwaltet wird, ist stark von dem Leck betroffen. Bisher gab es nur Vermutungen, wer dem Künstler überhaupt nahe steht. Nun gibt es erste Anhaltspunkte nach Südamerika.