Stockholm (dpa) l Die Kanadierin Donna Strickland ist erst die dritte Frau, die jemals einen Physik-Nobelpreis bekam. "Wir müssen weibliche Physikerinnen feiern, denn es gibt sie da draußen", sagte die Laserexpertin am Dienstag in einem Telefonat mit der königlich-schwedischen Akademie für die Wissenschaften. "Ich fühle mich geehrt, eine dieser Frauen zu sein." Nach dem Anruf am Morgen sei ihr erster Gedanke gewesen: "Das ist verrückt." Sie habe sich gefragt, ob es überhaupt wahr sei.

Die Nominierung von Strickland hat auch im Netz für viele Reaktionen gesorgt. Ihr Name war zeitweise auf Platz fünf der weltweiten Twitter-Trends, während gleichzeitig der offizielle Hashtag #NobelPrize dort nicht zu sehen war. Die meisten Nutzer gratulierten der 59-Jährigen, wobei viele herausstellten, dass sie als erste Frau seit Jahrzehnten in der Kategorie Physik ausgezeichnet wird. "55 Jahre war jetzt aber auch keine Minute zu früh", schrieb beispielsweise ein Nutzer. Wenige andere kritisierten wiederum, dass dieses Ungleichgewicht thematisiert wurde. Es komme nicht auf das Geschlecht, sondern die Leistung an.

Vorfall bei Cern in Genf

Die Europäische Organisation für Kernforschung (Cern) in Genf hat gerade einen Physiker suspendiert, der sich über unfaire Frauenförderung in der Physik beschwert hat. Ausgerechnet bei einem Workshop, der mehr junge Frauen für die Physik gewinnen wollte, zeigte er bei einer Präsentation Folien, die belegen sollten, dass Frauen Jobs bekommen hätten, die nach Erfahrung eigentlich ihm zugestanden hätten. Anwesende Physikerinnen waren schockiert. Cern bezeichnete die Präsentation als "höchst anstößig".

Der Physiker der Universität von Pisa (Italien), der auch am Cern forschte, habe für den Workshop eine Präsentation angemeldet, die zunächst abgelehnt worden war, sagte Cern-Pressesprecher Arno Marsollier. Er habe aber insistiert und sei deshalb auf die Rednerliste gekommen. Die Veranstalter hätten den Inhalt vorher nicht gekannt. Weil er Frauen mit Namen nannte, die seiner Ansicht nach unfair bevorzugt worden seien, habe man die Präsentation gelöscht. Der Vorfall werde untersucht, bevor weitere Schritte eingeleitet würden.

Strickland hatte zusammen mit dem Franzosen Gerard Mourou eine Methode entwickelt, sehr intensive, hochpräzise Laserimpulse zu erzeugen, die beispielsweise bei Augenoperationen eingesetzt werden. Sie teilt sich den Nobelpreis mit Mourou und dem US-Amerikaner Arthur Ashkin.

48 von 900 Preisträgern sind weiblich

Bisher haben zwei Frauen den Physik-Nobelpreis verliehen bekommen. Insgesamt waren 48 der fast 900 Nobelpreisträger weiblich. Die diesjährigen Gewinner sollen ihre Auszeichnung, wie es traditionell üblich ist, am 10. Dezember verliehen bekommen.