Berlin (dpa) | Weil sie aus Mordlust eine 25 Jahre alte Frau in Berlin-Neukölln erschossen haben sollen, stehen zwei Männer vor dem Landgericht. Sieben Monate nach dem Verbrechen haben die 29- und 40-Jährigen zu Prozessbeginn am Donnerstag eine Aussage verweigert. Sie sollen die arglose Freundin des jüngeren Angeklagten mit einem Kopfschuss getötet haben. Sie hätten "einen anderen Menschen sterben sehen wollen", so die Anklage. Ein erster Prozessanlauf war vor zwei Wochen an nicht ordnungsgemäßer Gerichtsbesetzung gescheitert.

Die 25-Jährige war am späten Abend des 27. Dezember schwer verletzt in einer Toreinfahrt gefunden worden. Die gebürtige Polin starb wenig später in einem Krankenhaus. Die deutschen Angeklagten wurden Anfang Januar festgenommen. Der 29-Jährige soll damals erklärt haben, er habe "einfach mal jemanden abschießen" wollen. Der 40-Jährige habe ein solches Motiv nicht bestätigt, hieß es am Rande des Prozesses.

Pistole gefunden und gestohlen

Die Männer sollen vor der Tat in einer Laube eine halbautomatische Selbstladepistole gefunden und gestohlen haben. Sie hätten dann beschlossen, die auf einem Gehweg wartende Freundin des 29-Jährigen zu töten, so die Anklage. Zunächst habe der 29-Jährige der Frau in den Arm geschossen. Nach Ladehemmungen habe der 40-Jährige die Waffe ergriffen, durchgeladen und erneut dem Komplizen übergeben. Der 29-Jährige habe auf den Kopf der Frau gezielt und abgedrückt.

Die Verteidiger des mutmaßlichen Schützen erklärten, ihr Mandant sei drogenabhängig und habe in einer "Dauerberauschung" gelebt. Bei seiner Aussage bei der Polizei habe er unter Entzugserscheinungen gelitten und sei zunehmend bereit gewesen, "für ein Bier und Zigaretten alles kundzutun, von dem er annahm, dass man es hören wollte". Der Prozess wird am 30. Juli fortgesetzt.