Osnabrück (dpa) l Seit Dienstag muss sich ein Ex-Unternehmer am Landgericht Osnabrück wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs von Kindern aus einem afrikanischen Waisenhaus verantworten. Zum Prozessauftakt wurde die umfangreiche Anklageschrift verlesen. Der in der Nähe von Osnabrück wohnende 66 Jahre alte Deutsche soll demnach fünf Kinder im Alter von etwa zwei bis zwölf Jahren im Zeitraum von Januar 2016 bis Februar 2018 bei Besuchen in dem Waisenhaus in Togo teils vergewaltigt haben (Az.: 3 KLs 7/19).

In der Anklageschrift werden 41 Fälle meist schweren sexuellen Missbrauchs detailliert geschildert. Die Staatsanwaltschaft stützt sich auf Bilder und Videos, bei denen der Angeklagte sich selber bei seinen Handlungen gefilmt haben soll. Aus den Videos gehe auch hervor, wie sich die Mädchen teils gewehrt und geweint haben, wovon sich der Angeklagte aber nicht habe abbringen lassen, schilderte der Staatsanwalt.

Geld oder Süßigkeiten als "Belohnung"

Zur "Belohnung" für den Beischlaf bekamen die Kinder Geld oder Süßigkeiten. In einem Fall habe sich ein kleines Mädchen zwei Tütchen mit Fruchtgummis nehmen wollen. Mit den Worten "Ein Mal, nur ein Mal, no, no, jedes Mal nur einen", habe das der Angeklagte verhindert.

Einen Antrag von Anwalt Joë Thérond, die Öffentlichkeit schon von der Verlesung der Anklageschrift auszuschließen, lehnte die 3. Große Strafkammer nach einer Beratung ab. Thérond argumentierte, dass in der Anklage intime Details des Sexuallebens seines Mandanten erörtert würden, die nicht in die Öffentlichkeit gehörten.

Die Vorsitzende Richterin Dagmar Winkelsträter sah das anders. Schwere Kriminalitätsfälle seien Teil der Zeitgeschichte, an denen die Öffentlichkeit ein Aufklärungsinteresse habe. Bei den Vorwürfen gehe es daher nicht um die Befriedigung von Sensationslust. Das Informationsinteresse der Öffentlichkeit überwiege das Interesse des Angeklagten, dass seine Sexualitätsvorlieben vertraulich bleiben, argumentierte sie. Zudem würden die Tatvorwürfe in der Anklageschrift sachlich und neutral geschildert.

Termine bis September

Im Anschluss an die Verhandlung kündigte Thérond an, auch im weiteren Verlauf des Prozesses Anträge auf Ausschluss der Öffentlichkeit zu stellen. Ob und wie sich sein Mandant äußere, wolle er nur in der Verhandlung sagen. Bislang sind bis September acht weitere Termine angesetzt.

Die Staatsanwaltschaft hatte im Vorfeld des Prozesses berichtet, dass der Angeklagte über private Verbindungen Kontakt zu dem Waisenhaus aufgenommen haben soll. Er soll auch deshalb Zugang zu den Kindern bekommen haben, weil ihm Behörden gestattet hätten, mit den Kindern einen Ausflug zu unternehmen.