Pattensen (dpa) l Für den symbolischen Betrag von einem Euro verkauft Ernst August von Hannover (35) das marode Schloss Marienburg an die öffentliche Hand. Die Liemak Immobilien GmbH, eine Tochter der Klosterkammer Hannover, übernimmt die 1867 fertiggestellte Sommerresidenz der Welfen bei Pattensen. Zudem erwerbe das Landesmuseum Hannover – unterstützt von Stiftungen – rund hundert für das Land besonders wertvolle Stücke aus dem kulturhistorischen Inventar im Wert von zwei Millionen Euro, teilte Kulturminister Björn Thümler (CDU) am Donnerstag mit. Weitere Gegenstände im Wert von rund sechs Millionen Euro bringe Ernst August junior in eine gemeinnützige Kunststiftung ein.

„Das gemeinsam entwickelte Modell sichert Schloss Marienburg und sein Inventar dauerhaft für die Öffentlichkeit“, sagte der Adlige, der 2004 das Bauwerk von seinem gleichnamigen Vater Ernst August von Hannover (64) übernommen hat. „Das war von Anfang an eine Herzensangelegenheit von mir. Deshalb bin ich der niedersächsischen Landesregierung sehr dankbar.“ Er werde mit seiner Familie weiterhin in Hannover wohnen und der Marienburg immer verbunden bleiben, betonte Ernst August.

Opposition ist alarmiert

Die Opposition im niedersächsischen Landtag ist alarmiert. Es sei am Haushaltsausschuss vorbei verhandelt worden, kritisierte der Grünen-Abgeordnete Stefan Wenzel. „Das ist eine totale Unverschämtheit“, sagte er der dpa. Auf den Steuerzahler könnten riesige Folgekosten zukommen, warnte Wenzel, der eine Unterrichtung des Haushaltsausschusses beantragt hat. Das „Strohmann-Geschäft“ mit der Klosterkammer sei unredlich. Die kulturpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Susanne Schütz, sprach von einem „riesigen Affront gegenüber dem Parlament“.

Der Präsident der Klosterkammer, Hans-Christian Biallas, sagte: „Wir helfen dem Land gerne. Wir werden aber keinerlei finanzielles Risiko tragen.“ Thümler betonte, das erklärte Ziel sei, „das Gesamtkunstwerk Schloss Marienburg als Kulturdenkmal und Erinnerungsort mit großer Bedeutung für die niedersächsische Landesidentität dauerhaft für die Öffentlichkeit zu erhalten und zugänglich zu machen“. 

Die Zahlungsfähigkeit des Hauses Hannover sei nicht die Grundlage für das Engagement des Landes, sondern die nationale Bedeutung der Marienburg, betonte Thümler. „Ich habe jetzt keine Konteneinsicht bei Ernst August von Hannover genommen“, sagte er zur Kritik, dass anderen Denkmalbesitzern auch nicht vom Staat unter die Arme gegriffen werde. Andere Länder wie Baden-Württemberg oder Hessen hätten sehr viel mehr Geld für den Erwerb von Schlössern in die Hand genommen, sagte der Minister.

27 Millionen Euro Sanierungsbedarf

2014 hatte ein Gutachten den Sanierungsbedarf des neugotischen Bauwerks auf 20 Millionen Euro beziffert, dies wurde auf 27 Millionen Euro hochgerechnet. Zunächst soll der Hang, auf dem die Burg steht, gestützt werden, damit das Gemäuer nicht abrutscht. Der Bund unterstützt die Sanierung insgesamt mit 13,6 Millionen Euro, die gleiche Summe werde das Land ab 2020 nach und nach aufbringen, sagte Thümler. Eine Kostenerhöhung will er nicht ausschließen.

Prinz Ernst August hört zum Jahresende auch als Betreiber von Gastronomie und Veranstaltungen auf der als „Neuschwanstein des Nordens“ vermarkteten Burg auf, die jährlich rund 200 000 Besucher aus dem In- und Ausland anzieht. Die zwei Millionen aus dem Erlös der Kunstwerke werde er in erster Linie zur Entschuldung der Betreibergesellschaft nutzen, sagte der 35-Jährige.