Tangermünde (eb) l Knapp 30 Tausend Follower (Englisch für Folgende) hat Laura Müller aus Tangermünde, neue Freundin von Schlager-Sänger Michael Wendler, in den letzten Tagen auf Instagram dazugewinnen können. Auch dank der freizügigen Bilder im Playboy-Magazin. Alles mit rechten Mitteln? Das Management der Influencerin hält sich bedeckt.

In Zeiten von Facebook, Instagram und Co können Promis und solche, die es werden möchten, ihre Fans jederzeit erreichen. Live-Videos und sogenannte Storys sind momentan stark im Kommen. Storys auf der Bilderplattform Instagram sind Fotos und Videos, die auf besonderer Bühne den Fans und Followern präsentiert werden. Da diese nach 24 Stunden automatisch wieder gelöscht werden, sind keine „Gefällt-mir"-Klicks möglich.

Wie verdienen Promis wie Laura Müller ihr Gel

Anders als bei Youtube gibt es auf Instagram kein Geld für Follower und Likes. Allein durch Werbekampagnen müssen die Influencer ihren Lebensunterhalt  bestreiten. Je mehr Likes und Follower eine Person besitzt, desto mehr Geld können sie bei Werbekampagnen von Unternehmen fordern. Wenn das Wachstum jedoch stagniert, hilft Berichterstattung in der realen Welt. Oder ein paar Klicks im Netz. Denn für einen geringen Betrag bieten viele zwielichtige Webseiten Unterstützung an, indem bestimmte Beiträge oder die generelle Followeranzahl „gepusht" (neudeutsch für gesteigert) werden. Gerade bei Konten mit großer Bekanntheit fallen ein paar gekaufte Fans kaum auf

Ob auch Laura Müller illegal nachgeholfen hat, ist letztendlich nicht genau nachzuvollziehen. Jedoch sind einige Auffälligkeiten zu erkennen. Die Seite influencermarketinghub.com bietet ein kostenloses Tool für Unternehmen an, die prüfen möchten, wie seriös mögliche Medienpartner sind. Dort heißt es: „Sie sollten feststellen, dass alle echten Influencer Punkte von 80 oder mehr erreichen werden. Jeder, der schlechter abschneidet, wäre für Ihr Unternehmen von geringem Wert und eine potenzielle Verschwendung Ihrer Investition."

Laura Müllers Wert liegt bei 77 von 100 möglichen Punkten. Die Punkte errechnet das Tool mit Hilfe eines Algorithmus, der unter anderem die Followeranzahl und die Relation zu den Likes auf einzelnen Beiträgen unter die Lupe nimmt. Im Ergebnis heißt es weiter, dass die Like- und Kommentar-Aktivität zwar hoch sei, jedoch scheinen einige der Kommentare nicht authentisch.

Weitere Indizien

Ein weiteres Indiz liefert die Website socialblade.com. Hier lassen sich die Followerzahlen der letzten vier Wochen genau nachvollziehen. Viele Anbieter von Fake-Followern handeln mit eher schlecht gefälschten Konten, sogenannte Fake-Profile. Diese lassen sich leicht enttarnen und werden durch die Mitarbeiter von Instagram gelöscht. Am 27. Dezember 2019, drei Tage nach dem letzten Bild-Post von Laura Müller, kommen aus unerklärlichen Gründen 205 Follower hinzu. Am nächsten Tag sind es nochmal 126. In den nächsten vier Tagen werden es erst 100, dann 115, 56 und schließlich 88 Fans weniger. Die Gesamtanzahl schwankt dabei um die 230 Tausend.

Eine nur marginale Menge also im Bezug zur Gesamtheit. Wie sind diese Zahlen zu erklären? Möglicherweise bemerkte Instagram hier trotz des nur kleinen Zuwachs von 331 Followern Auffälligkeiten, überprüfte die zuletzt dazugewonnen Fans und löschte 359 Profile. Diese Vermutung unterstreicht der Suchvergleich von Google: Trends. Hier lassen sich Suchbefehle wie zum Beispiel  „Laura Müller" vergleichen.

 Am 27. Und 28 Dezember, an den Tagen des Followerzuwachses, ist keine Steigerung der Suchanfragen zu erkennen. Heißt, dass kaum jemand Laura Müller gegoogelt hat. Sie ist nicht bedeutend in den Medien in Erscheinung getreten ist. Zu anderen Jahreszeiten, beispielsweise zur Ausstrahlungszeit des „Sommerhauses der Stars", ist eine klare Relation zwischen Suchanfragen auf Google, Likes auf Beiträgen und der Anzahl der Follower zu erkennen.

Likes auf Werbebeiträgen deutlich höher

Eine weitere Auffälligkeit bei Laura Müller sind die Werbebeiträge. Dort bewirbt sie beispielsweise ein Kleidungsstück. Generell gilt auf der sozialen Plattform: Je mehr freie Haut gezeigt wird, desto mehr Likes gibt es. Diese beiden Werbefotos sind im Vergleich zu anderen Bildern, wie den hochgeladenen Schnappschüssen aus dem Playboy-Shooting von Laura Müller, nicht wirklich freizügig. Dennoch hat das Bild in Relation zu freizügigeren Fotos ohne Werbeinhalt deutlich mehr „Gefällt-mir"-Angaben.

Aber was bringen Likes auf Werbefotos? Das Netz spuckt einige Antworten raus. Die naheliegendste ist: Ein Foto mit vielen Likes kommt bei dem Auftrag gebenden Unternehmen besser an. Die Kampagne wirkt erfolgreich und Folgeaufträge sind wahrscheinlicher. Denn die Konkurrenz ist hart im Influencer-Bereich. 

Laut Blog-Einträgen sei zudem der beste Zeitpunkt, eine kleine bis mittelgroße Menge an Likes und Follower zu kaufen, wenn die Person kurz vor einem Skandal, Medienevent oder Kampagne stehe. Während einer Medienkampagne, die meist auch den Anstieg von Likes und Follower verspricht, kann es gefährlich werden, da jener Anstieg unverhältnismäßig hoch werden könne. Nach einer Kampagne ist die Gefahr ebenfalls groß, von Instagram entdeckt zu werden, da das Unternehmen ein besonderes Auge auf rasant ansteigende Zahlen habe.

Playboy-Kampagne ausgenutzt?

In den letzten fünf Tagen dann die Explosion bei den Followerzahlen. Anfänglich laut socialblade.com noch 322 und 128, danach ein sattes Plus von insgesamt gut 30 Tausend Followern bei Laura Müller. Organisches Wachstum sieht meist anders aus. Ist also die Playboy-Kampagne Schuld an den Followerzahlen, oder wurden diese bewusst dazugekauft? Antworten von Seiten des Managements von Laura Müller gibt es keine. Sabine Reichart, die laut eigenen Angaben einige Influencer betreut, war per Mail nicht zu erreichen.

Eindeutig illegal sind Käufe von Followern nicht. „Tatsächlich könnten Firmen für ihren Follower-Kauf eine Abmahnung riskieren", erklärt der Medienanwalt Christian Solmecke gegenüber dem Spiegel-Magazin. Sie erweckten dadurch nämlich den Anschein, dass mehr Kunden sie oder ihre Produkte mögen - eventuell eine wettbewerbsrechtliche Irreführung.  Auch Instagram selbst beteuert, viel gegen die Käufe zu unternehmen. „Wir haben ein Team, das rund um die Uhr arbeitet", erklärt eine Sprecherin gegenüber dem Magazin Vice.

Täglich würden Millionen Accounts auf Instagram entfernt. Dennoch sind seit einiger Zeit die Likes auf Foto-Beiträgen nicht mehr zu sehen. Nur noch für den Kontoinhaber selbst. In vielen Foren vermuten anonyme User, dass dadurch die Transparenz gesenkt werden solle. Denn schlechte Presse schade dem „Feel-Good"-Netzwerk. Und die eigentliche Realität in dem sozialen Medium hat meist nicht viel Wert. Ob mit oder ohne gekauften Likes.