Nürnberg (dpa) l Trotz Kritik an dem im Schulsport weit verbreiteten Völkerball hält ein führender Sportpädagoge das Spiel unter bestimmten Voraussetzungen für vertretbar. Der Lehrer müsse mit den Schülern über die sozialen Aspekte des Spiels sprechen, sagte Ralf Sygusch, Sprecher der Sektion Sportpädagogik bei der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft am Donnerstag. "Wenn das gewährleistet wird, hätte ich überhaupt kein Problem, das zu spielen." Zwar sei Völkerball sehr emotional und biete daher das Potenzial zum Mobbing. "Aber das bewusst zu machen, zu sozialer Verantwortung zu erziehen, das ist hier eigentlich die Aufgabe der Lehrkraft."

Eine Forschergruppe um Joy Butler von der kanadischen "University of British Columbia" hatte bereits Anfang Juni auf einer Konferenz harsche Kritik an einer Variante von Völkerball – Dodgeball – geübt. Sie hatten Schüler zu dem Spiel befragt und kündigten eine Studie in einem begutachteten Fachjournal an. Die Forscher um Butler sprachen von "erlaubtem Mobbing".

Beim Völkerball werden zwei Mannschaften gebildet, die sich beispielsweise auf einem Volleyballfeld ohne Netz gegenüberstehen. Ziel ist, die Spieler der anderen Mannschaft mit einem Ball abzuwerfen. Wer getroffen ist, muss das Feld verlassen, kann aber wieder ins Spiel kommen, wenn er von außen einen anderen Spieler trifft.