Darmstadt/Heusenstamm (dpa) l Der Angeklagte bricht in dem Mordprozess sofort in Tränen aus: Ein gebürtiger Bitterfelder hat in Hessen vor Gericht gestanden, seine Frau mit Hammerschlägen auf den Kopf und durch Würgen umgebracht zu haben. Gleich nach dem Verlesen der Anklage sagte der 56-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht Darmstadt: "Das entspricht den Tatsachen." Das Opfer habe ihn kurz vor der Tat in Heusenstamm (Kreis Offenbach) gereizt und gesagt, er sei "treudoof" wie sein Vater. Seine Frau sei schon aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen gewesen und habe einen neuen Lebensgefährten gehabt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Deutschen vor, die 52-Jährige im April dieses Jahres in der ehemals gemeinsamen Wohnung "aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch" getötet zu haben. Er habe zu einem Hammer gegriffen, ihr auf den Kopf geschlagen, die zu Boden gegangene Frau gewürgt und ihr auf den Brustkorb gedrückt. "Wie viele Schläge es waren, kann ich nicht mehr sagen", sagte der Angeklagte. Die Frau starb damals noch im Wohnzimmer.

Der Verteidiger des Mannes trug zum Prozessauftakt eine Erklärung vor. Darin schilderte der angeklagte Frührentner mit grauen Haaren und grauem Bart eine Ehe, in der vieles zur Zufriedenheit beider geregelt gewesen sei. "Grundsätzlich machte ich den Haushalt, sie die Arbeit." Sie seien 2006 aus Sachsen-Anhalt nach Heusenstamm gezogen, weil seine Frau dort Arbeit gefunden habe. "Wir sind gerne zusammen geradelt."

Harmonischer Urlaub auf Kanaren

Schließlich habe seine Frau einen anderen Mann kennengelernt. Im Sommer 2016 sei es zur Aussprache gekommen, erzählte der Angeklagte. Er habe seiner Frau verziehen, beide hätten dann zusammen einen harmonischen Urlaub auf den Kanarischen Inseln verbracht. "Eigentlich war alles ganz normal. Wir haben uns auch nie über Geld gestritten."

Den Kontakt zu dem anderen Mann, ein Lkw-Fahrer, habe seine Frau aber nicht aufgegeben. "Ich konnte auch nicht dagegen ankommen." Als die Frau in der ehemals gemeinsamen Wohnung mit ihm "die Scheidung besprechen wollte", habe er zugeschlagen. "Das Werkzeug war bei uns in der Wohnung. Hammer und Schraubenzieher lagen immer in einer Schublade", erklärte er.

Nach der Tat sei er zur Polizei gegangen, auf die Dienststelle gleich um die Ecke. Polizisten, die als Zeugen geladen waren, schilderten, der Mann habe "irgendwie nach Worten gerungen", dann gesagt, dass "er glaubt, seine Frau erschlagen zu haben". Er habe einen "sehr emotionalen Eindruck gemacht", sei "weinerlich gewesen, nahe am Wasser gebaut". Ein Beamter meinte: "Er war durch den Wind."

In dem Prozess sind bis Januar 2018 noch drei weitere Termine geplant.