Offenbach (dpa) l Um trotz Corona-Pandemie Straßenfastnacht feiern zu können, haben sich hessische Narren einen ganzen Karnevalsumzug aus Spielfiguren, Pappe, Filz und Glitter gebaut. In wochenlanger Kleinarbeit ist eine Miniaturausgabe des Umzugs entstanden, der vergangenes Jahr durch Offenbach rollte.

Dank eines umgebauten Spanferkelgrills konnten die Miniwagen gefilmt werden, wie sie sich durch die ebenfalls nachgebaute Kulisse der Frankfurter Nachbarstadt bewegen, vorbei an einem verkleideten Publikum. Das Ergebnis ist kommenden Sonntag unter anderem auf Facebook und Youtube zu sehen, fast eineinhalb Stunden lang: inklusive Kommentar, Audio-Beiträgen der Musikgruppen und Publikumsgeräuschen.

Insgesamt 77 Zugnummern sind zusammengekommen, Prinzen- und Prunkwagen inklusive. Gebastelt wurden die Mini-Wagen von den einzelnen Gruppen und Vereinen, die 2020 dabei waren. "Es ging auch um die soziale Komponente, dass alle mitmachen konnten", sagt Bernd Meuer, der Zweite Vorsitzender des Offenbacher Karneval Vereins.

Aufruf kam mitten im Lockdown

Der Aufruf des Vereins zum Mitmachen kam Anfang des Jahres und damit mitten im Lockdown, alle Bastelgeschäfte waren zu. Und so wurde in den Spielzeugkisten der Kinder gekramt, im Keller und im Nähkästchen. Herausgekommen sind quietschbunte, lustige und teils erstaunlich originalgetreue Wagen. Auch die Pandemie wird thematisiert und etwa eine Impfung mit Humor und Eierlikör empfohlen.

"Es ist gerade jetzt wichtig, dass die Menschen wenigstens für einen Moment aus dem Alltag herauskommen und einen Grund zum Lächeln haben", sagt der Präsident des Bundes Deutscher Karneval, Klaus-Ludwig Fess. Er freut sich über den Ideenreichtum der Narren in Offenbach und andernorts. Dass in der nächsten Session wie gewohnt gefeiert werden kann, erwartet er eher nicht. Doch vielleicht gebe es zum Auftakt am 11.11. dank der Impfungen schon mehr Freiheiten – das hofften alle.