Zeitz (dpa) l Mit einem stillen Gedenken soll am Sonnabend in Zeitz an die Selbstverbrennung des Pfarrers Oskar Brüsewitz (1929-1976) in der DDR erinnert werden. Der evangelische Theologe hatte sich auf den Tag genau vor 42 Jahren vor der Michaeliskirche in der Kleinstadt mit Benzin übergossen und seinen Talar angezündet. Er starb mehrere Tage später an seinen schweren Verletzungen. Die Tat sorgte weltweit für Entsetzen und Aufsehen. An der Stelle befindet sich eine Stele zum Gedenken an den evangelischen Theologen. Der Zeitzer Oberbürgermeister Christian Thieme (CDU) wird Blumen niederlegen, der Pfarrer Werner Köppen einen Psalm vortragen.

Brüsewitz habe sich am 18. August 1976 aus Protest gegen die Bevormundung durch das SED-Regime verbrannt, sagt Köppen. Er verweist auf eine Erinnerungstafel an der Gedenkstele, die in Abstimmung mit Gremien der Stadt im Burgenlandkreis angebracht worden sei. „Das „Fanal von Zeitz“ war im Grunde der Anfang für das anschließende Ende der DDR, 13 Jahre später“, sagt Köppen der Deutschen Presse-Agentur. Der Theologe, Jahrgang 1958, ist Pfarrer im Pfarramt Zeitz. Es befindet sich am Michaeliskirchhof und gehört zum evangelischen Kirchenkreis Zeitz-Naumburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

Historische Bedeutung ist unklar

1976 sei das Jahr gewesen, in dem der Regimekritiker und Liedermacher Wolf Biermann aus der DDR ausgebürgert wurde, erinnert sich der Theologe. Es sei sehr wichtig, jungen Menschen, die die DDR nicht kennengelernt haben, diese Zeit zu erklären. Der Oberbürgermeister von Zeitz mit heute rund 29 000 Einwohnern meint, welche historische Bedeutung die Tat am Ende hatte, sei heute schwer zu sagen.

Aus menschlicher Sicht sei es wohl eine Verzweiflungstat von Brüsewitz gewesen, betont Köppen. „Aber was die wahre Wahrheit ist, weiß der Herr allein“, so der Pfarrer. Es gebe eine „gewisse Spannung“ in der Stadt beim Thema Brüsewitz, wenn es um Erklärungen für das genaue Motiv des Theologen gehe. Eine öffentliche Diskussion oder Streit etwa um das Wort Bevormundung in der Tafel an der Stele sieht der Oberbürgermeister aber nicht.

DDR-Führung wollte Tat vertuschen

Fakt ist, die DDR-Führung versuchte, die Tat zu vertuschen, Brüsewitz als verwirrt zu verunglimpfen. Historisch belegt ist anhand von Dokumenten auch, dass der 47-Jährige am Morgen des 18. August 1976 von seinem Pfarrhaus in dem kleinen Ort Rippicha (Gemeinde Gutenborn), wo er mit seiner Familie lebte, in die nahegelegene Stadt Zeitz fuhr.

Vor der Michaeliskirche stellte er zwei Plakate auf – mit der Aufschrift „Funkspruch an alle... Funkspruch an alle. Die Kirche in der DDR klagt den Kommunismus an! Wegen Unterdrückung in Schulen an Kindern und Jugendlichen“. Dann zündete er sich vor den Augen von Passanten an. Der Stasi-Überwachungsapparat sorgte dafür, dass Brüsewitz schleunigst vom Ort weggebracht wurde. Der Pfarrer starb am 22. August 1976 in einem Krankenhaus in Halle.

Beerdigung in Rippicha

Beerdigt wurde Brüsewitz in Rippicha auf dem Friedhof an der Kirche. Dort wird am Samstag zum Gedenken an den Tod des Theologen ein frischer Blumenstrauß auf sein Grab gelegt, wie der Bürgermeister der Gemeinde Gutenborn, Stefan Leier (CDU), ankündigt. Die evangelische Kirchengemeinde, deren Mitglied er sei, halte die Erinnerung an Brüsewitz wach.

Ein Symbol dafür sei die Kopie des Neonkreuzes, das Brüsewitz zum Ärger des SED-Regimes auf dem Dach der Dorfkirche von Rippicha installierte. „Es leuchtet auch heute noch weithin sichtbar, wenn die Bäume das Laub verloren haben“, sagt Leier. Die Gemeinde übernehme die Kosten für den Strom. Im Religionsunterricht sei Brüsewitz heute ein Thema – von vielen, räumt der ehrenamtliche Bürgermeister Leier ein. 1989 hatten gewaltlose Massenproteste zum Ende des totalitären Systems in Ostdeutschland geführt – 13 Jahre nach dem Tod von Brüsewitz.