London (dpa) l Bislang galt in ihrer 68-jährigen Regentschaft 1992 als das Annus horribilis (Schreckensjahr), wie sie es nannte. Damals gingen die Ehen von drei ihrer vier Kinder in die Brüche und ihr geliebtes Schloss Windsor brannte. Was sich aber in jüngster Zeit im Umfeld der Queen abspielte, dürfte das noch toppen.

Wegen der Corona-Pandemie musste sie sich mit Ehemann Prinz Philip (98) auf Schloss Windsor zurückziehen. Aufgrund ihres hohen Alters gelten beide als besonders gefährdet, durch das neuartige Virus schwer zu erkranken. Doch der Rückzug hielt die Queen nicht davon ab, einen starken Appell an ihr Volk zu richten. In einer ihrer seltenen Reden an die Nation forderte sie die Briten zum Kampf gegen den Erreger auf.

Nur milde Symptome

Auch ihr ältester Sohn Prinz Charles (71) infizierte sich mit dem Erreger. Der ewige Thronfolger und Biobauer zeigte aber nur milde Symptome und kurierte sich auf seinem Landsitz in Schottland aus.

Um Prinz Philip dürfte sich die Monarchin nicht nur wegen der Pandemie sorgen. Schon kurz vor Weihnachten musste der 98-Jährige ins Krankenhaus gebracht werden. Nach vier Nächten im Londoner King Edward VII's Hospital machte er sich pünktlich zu Heiligabend direkt auf den Weg zum Landsitz Sandringham. Warum der Senior im Krankenhaus war, ist nicht bekannt. Britische Medien spekulierten, der Prinz habe lange an einem grippalen Infekt gelitten oder sei gestürzt.

Auch die jüngeren Royals bescherten der Queen wahrscheinlich schlaflose Nächte. Denn Enkel Prinz Harry (35) vollzog mit der Ex-Schauspielerin Meghan (38) zum 1. April den „Megxit“ (Wortspiel zu Exit/Austritt aus dem Königshaus). Bereits im Januar hatte das Paar angekündigt, sich von seinen royalen Aufgaben teilweise zurückzuziehen und „finanziell unabhängig“ werden zu wollen. Später einigten sich die beiden mit dem Königshaus dann aber auf einen klaren Bruch. Sie unterstütze den Wunsch von Harry und Meghan, „ein neues Leben als junge Familie zu schaffen“, betonte die Queen.

Und dann noch der Brexit

Die Queen hat noch ein Sorgenkind: Ihr zweitältester Sohn Prinz Andrew (60) soll in den Missbrauchsskandal um den verstorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein verwickelt sein und Sex mit einer Minderjährigen gehabt haben. Anfangs schien Elizabeth II. noch zu ihrem Sohn zu halten: Beide strahlten sich etwa bei der gemeinsamen Fahrt zur Kirche an. Doch dann tauchte der Prinz quasi ab – bis kurz vor Ostern ein Bild veröffentlicht wurde, das ihn beim Einpacken von Geschenketüten für ein Hospiz zeigt.

Und dann noch der Streit um den Brexit. Die Queen hält sich eigentlich mit politischen Äußerungen zurück. Doch angesichts der eskalierenden Streitereien sprach sie dann doch ein Machtwort – auf ihre Weise. Sie rief in einer Rede zu mehr Respekt auf: „Wenn wir in der heutigen Zeit nach neuen Antworten suchen, bevorzuge ich die bewährten Rezepte wie: gut übereinander sprechen, verschiedene Sichtweisen respektieren, zusammenkommen, um Gemeinsamkeiten zu erkunden, und niemals das große Ganze aus den Augen verlieren.“

Für die britischen Medien war sofort klar: Das ist eine Anspielung auf das Hauen und Stechen im Londoner Parlament. Am 31. Januar trat Großbritannien aus der EU aus – mehr als dreieinhalb Jahre nach dem Brexit-Referendum.