Bargum/Kalefeld (dpa) l Landleben ist nicht öde, sondern cool: Das will die Deichdeern aus Nordfriesland ebenso zeigen wie die Gülleprinzessin aus Niedersachsen. In den sozialen Medien sind zunehmend junge Landwirte als Influencer unterwegs. Sie posten Fotos und Videos von ihrer täglichen Arbeit. Manche legen den Schwerpunkt auf „Blechporn“ – Landmaschinen in Action – andere zeigen sich gern mit niedlichen Tieren.

Laut Social-Media-Seminarleiter Thomas Fabry spielt das Netz mittlerweile eine größere Rolle in der Branche, weil die Leute mehr darüber wissen wollen. Nach seiner Beobachtung wollen viele Verbraucher regionale Landwirte unterstützen, wissen aber nicht wie. Einige seien misstrauisch, weil sie von Tierschützern heimlich aufgenommene Bilder von Missständen in Ställen gesehen haben: „Sie denken dann, so sieht es in jedem Stall aus.“

„Ich will zeigen, dass das Leben hier lebenswert ist“, sagt Julia Nissen, die als Deichdeern aus Bargum nahe der dänischen Grenze bloggt. Sie gibt Basteltipps und erzählt, wie die Partnersuche für Vieh per App funktioniert („Tinder für Rinder“) .

Im September startete die 32-Jährige außerdem eine Trecker-Mitfahrzentrale. Weil sie irgendwann die Anfragen kaum noch bewältigen konnte, baut die zweifache Mutter die Idee nun zu einer „App aufs Land“ aus, das Startkapital sammelte sie per Crowdfunding. Auch andere Bereiche sollen darin vermittelt werden.

Die Zielgruppe der Deichdeern sind Frauen zwischen 25 und 40 mit Sehnsucht nach Landleben, die Hälfte ihrer Follower kommt aus der Stadt. Die 25-jährige Ann-Christin Kahler sagt hingegen: „Ich erreiche fast nur Landwirte und leider fast nur Männer.“ Als „Gülleprinzessin“ – ihr Spitzname bei der Ausbildung – zeigt die junge Frau Wasserbüffel auf dem Hof ihrer Eltern im hessischen Rosenthal-Roda oder wie sie in ihrem Wohnort Kalefeld Mähdrescher fährt. Über 41 000 Menschen folgen ihr bei Instagram.

Notfalls auch Leute blockieren

Anfragen für Werbung oder Auftritte bekommt die Angestellte eines Landmaschinenunternehmens zuhauf. „Ich lehne aber auch vieles ab“, erzählt sie. So habe sie weder für Bio-Tampons werben noch bei einer Fernseh-Doku mitmachen wollen. Nach Postings über das Schlachten oder über Spritzmittel habe sie auch Hasskommentare bekommen, berichtet Kahler. „Ich versuche dann zu erklären, sachlich zu bleiben und blockiere notfalls auch Leute.“