Düsseldorf l Viele jugendliche Smartphone-Nutzer leiden unter Kommunikationsstress und Gruppenzwang. Das zeigt eine am Donnerstag in Düsseldorf veröffentlichte Studie der Universität Mannheim, die im Auftrag der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) erstellt wurde. Jeder vierte 8- bis 14-Jährige empfindet die ständige Kommunikation per Smartphone demnach als Stress. Dennoch können viele nicht vom Handy lassen - aus Angst, etwas zu verpassen und ausgeschlossen zu werden.

Jedes zehnte Kind suchtgefährdet

„Viele sind in der Lage, auch längere Zeit ohne das Handy oder Smartphone auszukommen“, erklärte Peter Vorderer von der Uni Mannheim. Rund jedem fünften Befragten (21 Prozent) bescheinigt die Studie allerdings eine auffällig starke Handynutzung. So werde das Handy zum Beispiel ständig auf neue Nachrichten geprüft. Fast jeder Zehnte (acht Prozent) gilt den Forschern zufolge sogar als „suchtgefährdet“.

Auffällig ist nach Aussage der Mannheimer Forscherin Karin Knop auch die Angst, etwas zu verpassen und aus dem Kommunikationsfluss ausgeschlossen zu sein. „Dies ist der stärkste Erklärungsfaktor für unkontrollierte, exzessive und risikobetonte Handynutzung“, erklärte sie. Wenn Kinder und Jugendliche zusätzlich einen hohen Anpassungsdruck an ihren Freundeskreis verspürten, ließen sie sich besonders stark durch ihr Handy ablenken.

Grundsätzlich bescheinigen die Wissenschaftler der Smartphone-Nutzung auch positive Effekte für Freundschaften, etwa durch das gemeinsame Anschauen von Fotos und Videos oder gemeinsame Handyspiele. Als Kommunikationsmittel stärke das Handy die Bindungen untereinander. Hier liegt nach Ansicht der Experten aber auch die Schattenseite in Form von Cybermobbing oder Sexting, also die Kommunikation über sexuelle Themen und das Verschicken erotischer Bilder. Auch das sogenannte Happy Slapping, bei dem Gewaltszenen mit dem Handy gefilmt und weiterverbreitet werden, stellten ein Risiko dar.

Mobbing via Internet und Handy

Der Studie zufolge haben etwa zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen bereits Cybermobbing oder ausgrenzendes Verhalten sowohl in der Täter- als auch in der Opferrolle erlebt. Das Mobbing passierte zum Beispiel durch den Ausschluss aus einer Gruppe im Messenger-Dienst WhatsApp.

Gut jeder fünfte Befragte hatte über sein Smartphone Kontakt mit nicht kinder- oder jugendfreien Seiten. Ebenso viele gaben an, wegen der starken Handynutzung schulische Probleme zu haben. Und rund 43 Prozent haben schon einmal unüberlegt Daten preisgegeben.

Für die Studie wurden rund 500 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 14 Jahren sowie jeweils ein Elternteil befragt.