Sofia (dpa) l Im Zusammenhang mit dem Mord an der bulgarischen TV-Moderatorin Wiktorija Marinowa ist Medieninformationen zufolge ein Rumäne als Tatverdächtiger festgenommen worden. Das berichtete das bulgarische Staatsradio am Dienstag in Sofia. Eine Bestätigung der Polizei gab es zunächst nicht. Der Verdächtige soll unbestätigten Angaben zufolge auch die moldawische Staatsangehörigkeit haben.

Die Leiche Marinowas wurde am Samstag in einem Park am Donauufer in der Stadt Russe entdeckt, wo sie joggen gegangen war. Sie wurde vergewaltigt. Die Journalistin hatte eine Sendung in einem lokalen Kabelkanal moderiert. In der letzten Ausgabe hatte sie einen Investigativjournalisten aus Rumänien und einen aus Bulgarien zu Gast. Die beiden recherchieren über angeblichen Betrug mit EU-Fördergeldern in Bulgarien.

An der jüngsten Ausgabe der von Marinowa moderierten Sendung "Detektor" hatten Investigativjournalisten aus Bulgarien und Rumänien teilgenommen, die zu einem angeblichen Betrug mit EU-Fördergeldern recherchiert hatten. Landesweit war die Moderatorin kaum bekannt.

Fördermittelbetrug aufgedeckt

Das EU-Betrugsbekämpfungsamt Olaf wisse von Vorwürfen des möglichen Missbrauchs von EU-Förderung in Bulgarien, die in den vergangenen Wochen von Journalisten ans Licht gebracht wurden, teilte die Behörde der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel auf Anfrage mit. Das Olaf werte derzeit die Informationen aus, um zu entscheiden, ob eine Ermittlung eingeleitet werden solle oder nicht.

Marinowas Tötung löste Entrüstung und Bestürzung weit über Bulgariens Grenzen hinweg aus. "Geschockt von dem brutalen Mord an der bulgarischen Journalistin (...). Meine Gedanken sind mit ihrer Familie", schrieb der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) im EU-Parlament, Manfred Weber, auf Twitter. "Ich bin geschockt von dem entsetzlichen Mord an der Investigativjournalistin", erklärte der Vertreter für Medienfreiheit bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Harlem Désir.

Schutz der Pressefreiheit gefordert

Der Sender TVN, für den Marinowa tätig gewesen war, veröffentlichte ein Foto von ihr mit einem Aufruf im Gedenken an die Moderatorin: "Vollbringe eine gute Tat! Für Wiktorija! Sie würde es so wollen!", appellierte der Sender an die Öffentlichkeit. Im Zentrum der Hauptstadt Sofia, in Russe und in anderen größeren Städten begannen am Montagabend Gedenkandachten mit Kerzen für Marinowa.

Angesichts mehrerer Gewalttaten gegen Journalisten mahnte die Bundesregierung den weltweiten Schutz der Pressefreiheit an. "Pressefreiheit ist ein elementares Bürgerrecht und ein fundamentales Grundrecht jeder demokratischen Gesellschaft", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Die Bundesregierung setze sich deshalb weltweit für den Schutz und die Sicherheit von Journalisten ein.

Anlass der Erklärung war unter anderem die Ermordung der bulgarischen Journalistin: "Mit tiefer Bestürzung haben wir von der brutalen und furchtbaren Ermordung der Journalistin Wiktorija Marinowa erfahren", sagte der AA-Sprecher. Noch gebe es keine belastbaren Erkenntnisse zum Tatmotiv. Entscheidend sei eine schnelle und umfassende Aufklärung.

EU-Parlament schaltet sich ein

Die zuständigen Behörden müssten klären, ob das Verbrechen in Verbindung zu der Arbeit der Frau stehe, sagte der Sprecher von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel. Es gehe darum zu garantieren, dass Journalisten überall sicher seien und ihre wertvollen Beiträge für die demokratischen Gesellschaften leisten könnten. "Die EU-Kommission erwartet von der verantwortlichen Behörden eine rasche und gründliche Untersuchung", sagte er.

Ähnliche Stellungnahmen zu dem Mord an der Journalistin Wiktorija Marinowa kamen auch aus dem Europaparlament. Der deutsche Grünen-Abgeordnete Sven Giegold forderte, eine Delegation des Parlaments nach Bulgarien zu schicken, die vor Ort schnellstmöglich Fakten sammeln solle. Er verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass Marinowa zuletzt über einen vermuteten Betrug mit EU-Fördergeldern berichtet hatte.