Berlin (dpa) l Das alte Jahr hinter sich lassen und das neue willkommen heißen - das heißt auch, sich schon mit möglichen neuen Trends bekannt zu machen:

Farbe des Jahres: Für das US-Unternehmen Pantone ist Korallenrot („Pantone Living Coral“) die Farbe des nächsten Jahres. In den Meeren schimmern die Korallen oft nur noch gräulich-weiß – abgestorben. Doch im Jahr 2019 soll die Koralle zumindest modisch wieder leuchten. Das Unternehmen wählt jedes Jahr eine Farbe aus und setzt einen Trend. 16-1546 heißt die Farbe im Fachjargon – „ein anregendes und lebensbejahendes Orange mit goldenem Unterton“. Pantone ist für internationale Farbsysteme bekannt. Auch andere Unternehmen küren Trendfarben. PPG Paints wählte ein dunkles Grün namens „Night Watch“ für 2019.

Bars wie Sterneküchen: An der schon im Oktober vom Fachmagazin „Mixology“ gekürten „Bar des Jahres Deutschland“, der Velvet-Bar in Berlin-Neukölln, lässt sich ein Trend zum höheren Trinken ablesen. Geschäftsführer Robert Havemann sagte anlässlich der Auszeichnung: „Wir wollten eine Bar auf Sterne-Niveau – ein Pendant zur Restaurantszene.“ So werden nicht nur einfach Gin Tonic und Co angeboten, sondern es kommen per Zentrifuge gemixte Cocktails ins Glas und bevorzugt Essenzen aus gerade saisonalen Gewächsen. Apropos Sterneküche: Statt wie bislang schon im Herbst des Vorjahres, kommt der Sterne vergebende Restaurantführer „Guide Michelin“ für Deutschland 2019 erst Ende Februar heraus.

Mode wie im Krieg: Die „Vogue“ fragt, ob im Frühjahr 2019 der Normalo-Look (Normcore) von einem Kriegs-Look (Warcore) abgelöst wird. Labels wie Alyx, Heron Preston, Off-White, Givenchy, Louis Vuitton und Vetements spielen jedenfalls damit. Auch bei den einflussreichen Designern Raf Simons (Calvin Klein) und Demna Gvasalia (Balenciaga) spiegelt sich sowas wider. Es geht um Kreationen, die an Sturmmasken, kugelsichere Westen oder Harnesse (Ledergeschirr am Oberkörper) denken lassen. Der Military-Look gilt auch als (verspielte) Reaktion der Modemacher auf die instabile Welt und Abschottungserscheinungen. Ganz neu ist das alles natürlich nicht: Cargohosen waren schon mal in den 90ern angesagt. In den 80ern und 60ern trugen viele Parka und Camouflage. In den 50ern rebellierten Jugendliche mit Bomberjacken.

Urlaub im eigenen Land: Der weltbekannte Reiseführer „Lonely Planet“ setzte Deutschland bei seinen zehn Top-Ländern des kommenden Jahres auf den zweiten Platz, hinter Sri Lanka. „Deutschland verzaubert und überrascht – auch die, die hier leben“, heißt es im Buch „Lonely Planets Best in Travel 2019“. Als Grund, warum Deutschland ausgerechnet 2019 bereist werden soll, wird vor allem der 100. Jahrestag der Gründung der Kunst- und Designschule Bauhaus genannt. Neue Museen in den drei Bauhaus-Städten Weimar, Dessau und Berlin und viele begleitende Events im ganzen Land machten Deutschland attraktiv, heißt es.

Schalen & Bienen: Die Deutschen haben wohl bald noch mehr Schüsseln im Schrank. „Schalen und Schälchen sind Trend“, sagt Nicolette Naumann, Vize-Chefin der Frankfurter Messe Ambiente (8. bis 12. Februar). „Was am Abend noch eine asiatisch anmutende Reisschale war, dient am Morgen darauf als Schüssel für das Müsli oder am Nachmittag zum Genießen von Rohkost.“ Als Trendtier kann sie sich die Biene vorstellen. „Das Bewusstsein für die schwarz-gelben Tierchen und andere Insekten hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.“ Das Bienensterben und der allgemeine Trend zur Natur seien die Gründe dafür.

E-Roller: Um das Jahr 2000 waren auf einmal Tretroller für Erwachsene in Mode. Gut 20 Jahre später könnte sich die elektrische Variante ausbreiten: der Elektro-Tretroller, auch E-Scooter oder Kick-Scooter genannt. Offiziell geregelt ist das Ganze bislang nicht. Aber 2019 soll es eine „Verordnung über die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr“ geben. Die Verleih-Firmen wittern auch in Deutschland ein Geschäft. Bisher ist das Fahren mit den auch Kick-Scooter genannten Rollern auf öffentlichen Straßen und Wegen verboten. Die Erlaubnis wird aber seit längerem vorbereitet.

Rahmenlose und Runde Brillen: „Erstaunlicherweise“ sind rahmenlose Brillen wieder im Kommen – das sagt Christine Höckmann vom Fachmagazin „Eyebizz“. Die Nickelbrille sei auf keinen Fall weg. „Rund wird immer wieder neu interpretiert.“ Sehr große runde und markante Fassungen seien hip. Außerdem gerne auf der Nase: Doppelstege und Pilotenmodelle. Die Brille habe als Mode-Accessoire noch aufzuholen. Gelungen findet sie das Modell von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer.