Freiburg (dpa) l Eine junge Studentin wird nach einem Besuch in einem Freiburger Club mutmaßlich von einer ganzen Gruppe Männern vergewaltigt. Die Polizei sucht mit einer Sonderkommission nach Verdächtigen und nimmt sieben Syrer und einen Deutschen fest. In der Stadt im Breisgau herrscht wieder Verunsicherung – wie nach dem Mord an einer Studentin im Herbst 2016 durch einen Flüchtling. Mehr Polizeipräsenz sollte für ein besseres Sicherheitsgefühl sorgen und die Schwarzwaldstadt aus den Schlagzeilen holen.

Was ist sicher bekannt?

Acht Männer sitzen in Untersuchungshaft. Sieben sind Syrer im Alter von 19 bis 29 Jahren. Einer von ihnen wird nach Angaben des baden-württembergischen Innenministeriums im Ausländerzentralregister allerdings als Iraker geführt. Er selbst habe sich als Syrer bezeichnet. Außerdem sitzt ein 25 Jahre alter Deutscher in U-Haft. Gegen einen der Männer bestand bereits ein Haftbefehl. Dieser wurde aber nach Angaben des Innenministeriums bis zu der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung in der Nacht zum 14. Oktober noch nicht vollstreckt. Ein Sprecher nannte als Grund Ermittlungstaktik der Polizei – konkreter wurde er nicht. Im Blut des Opfers wurde ein berauschendes Mittel nachgewiesen. Die junge Frau hatte nach Polizeiangaben angegeben, von einem Mann ein Getränk angenommen zu haben und später in wehrlosem Zustand missbraucht worden zu sein.

Welche Spekulationen stehen im Raum?

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung könnten bis zu 15 Männer an dem Verbrechen beteiligt gewesen sein. Dazu sagten weder Polizei noch Staatsanwaltschaft etwas. "Wir werden uns nicht an Mutmaßungen beteiligen", sagte Polizeisprecherin Laura Riske am Montag. Keine konkreten Angaben vom Innenministerium gab es zu der Frage, gegen welchen Verdächtigen der Haftbefehl vorlag, auch nicht wegen welcher Straftat. Es sei aber der Hauptverdächtige. In Medienberichten wird als mögliche Droge im Getränk eine Ecstasy-Tablette genannt.

Wie reagiert die Landesregierung von Baden-W&

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", die Sicherheitslage in Freiburg solle noch einmal geprüft werden. "Selbstverständlich werden wir mit der Stadt Freiburg und der Polizei vor Ort über Maßnahmen beraten, wie wir die Sicherheitslage weiter verbessern können." Er sei persönlich mit Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) und dem Polizeipräsidium in engem Kontakt, sagte Strobl. Die Polizei in Freiburg war nach Straftaten bereits verstärkt worden.

Wie ist die Stimmung in der Stadt?

Die AfD versucht, die Vergewaltigung politisch für ihre Ziele zu nutzen. Sie rief zu einer Demonstration am Montagabend auf. Zuletzt hatte die AfD in Offenburg nach einer tödlichen Messerattacke auf einen Arzt für eine vergleichbare Demonstration geworben. Nach der Tat dort war ein Asylbewerber aus Somalia festgenommen worden. In Freiburg riefen mehrere Gruppen zu Gegendemonstrationen auf. Oberbürgermeister Horn sprach sich gegen eine Instrumentalisierung der Tat aus: "Den Wunsch für mehr Sicherheit in Freiburg finde ich legitim, aber die politische Instrumentalisierung ist sehr schade und schlecht." Es gebe aber auch einen Nachholbedarf: Über leichtere Abschiebungen von Straftätern müsse nachgedacht werden, die Stärkung von Polizei und Justiz sei nötig, sagte Horn.