Düsseldorf (dpa) l "Wer viel macht, macht viel falsch", sagt der Volksmund. Lothar Matthäus redet viel. Unter anderem als Experte beim TV-Sender „Sky“. Und so verhaspelt sich der deutsche Fußball-Rekordnationalspieler hin und wieder beim euphorischen Beurteilen des Geschehens. So auch in diesem Herbst. „Wäre, wäre Fahrradkette“, hatte Matthäus während einer Analyse gesagt und einfach über den Versprecher weggeredet.

Matthäus‘ Pech in solchen Fällen ist auch, dass um die Fußball-Sprüche ein regelrechter Kult entstanden ist. Egal, ob es sich um Versehen handelt oder Absicht, um Kleingeistiges oder Philosophisches, die Zitate der Fußball-Protagonisten verbreiten sich rasend schnell in den sozialen Medien, werden archiviert und in schöner Regelmäßigkeit als Bücher veröffentlicht. Manchen verfolgen sie ein ganzes Leben lang. So wie Andreas Möller die Aussage: „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien.“

Die Deutsche Akademie für Fußballkultur kürt seit 2006 sogar den Fußballspruch des Jahres. In diesem Jahr stand ein ganz ungewöhnlicher Kandidat in der Endauswahl. Denn politisch sind die Aussagen höchst selten. Alexander Nouri machte eine Ausnahme. „Ich habe nichts gegen das Wort Europa“, sagte der inzwischen entlassene Bremer Trainer auf die Frage, ob er mit Werder noch den Europacup erreiche: „Ich bin ja nicht die AfD.“ Am Ende belegte Nouri Rang zwei hinter den Fans von Schalke 04. Die hatten beim letzten Saisonspiel in Ingolstadt mit einem humorvollen Plakat auf sich aufmerksam gemacht: „Wir danken der Mannschaft, dass sie uns auch in dieser Saison so zahlreich hinterhergereist ist.“

Versprecher gewinnen selten

Matthäus könnte erst im nächsten Jahr gewinnen, weil die Sprüche saisonweise beurteilt werden. Ob er gekürt wird, ist fraglich. Missgeschicke gewinnen selten, da die Zitatgeber nicht zum Gespött gemacht werden sollen. Deshalb könnte vielleicht Peter Stöger das Rennen machen. Der kürzlich geschasste Trainer des 1. FC Köln analysierte die Dauerkrise des FC nämlich fast schon philosophisch mit den Worten: „Es fehlt immer ein bisschen. Und dadurch fehlt am Ende ziemlich viel.“ Der Österreicher gewann bereits 2016, als er nach einer Fehlentscheidung erklärt hatte: „Ich habe dem Schiedsrichter meine Brille angeboten. Aber auch das hat er nicht gesehen.“

Gäbe es eine Auszeichnung für den „Allgemeinsport-Spruch des Jahres“, läge wohl André Greipel gut im Rennen. Der elfmalige Etappensieger fasste Faszination und Leiden bei der Tour de France nämlich glänzend zusammen. „Alle wollen hin“, sagte er: „Aber nach einer Woche will keiner mehr da sein.“ Humor bewies auch der niederländische Tennis-Profi Robin Haase nach seiner klaren Niederlage bei den French Open gegen Rafael Nadal. „Am Anfang war ich klar besser“, sagte er: „Dann war das Aufwärmen vorbei.“

Etwas kerniger beschrieb die deutsche Tennisspielerin Andrea Petkovic vor dem Fed-Cup-Duell mit den USA die Vorteile eines Auswärtsspiels. „Du hast eben keinen anderen, du hast ausschließlich dein Team“, erkärte Petkovic: „Wenn du zu Hause spielst, dann sind Mama und Papa da, und der Freund kommt mal vorbei und dann knutschst du donnerstags abends noch mit irgendnem Ollen rum, was weiß ich, aber hier hast du wirklich nur dein Team.“

Computer am Spielfeld unerwünscht

Eine entwaffnende Ehrlichkeit legte auch der 1990er Fußball-Weltmeister Thomas Häßler an den Tag. Als die „Bild“-Zeitung ihn nach seinem Amtsantritt beim Bezirksligisten Club Italia 80 fragte, ob er ein „Laptoptrainer“ sei, antwortete der Dschungelcamp-Teilnehmer: „Bitte was? Wenn ich einen Computer am Spielfeld-rand sehe, schieße ich den kaputt. Ich war mein ganzes Leben auf dem Fußball-Platz, ich kann ‚Büro‘ nicht mal buchstabieren.“

Besonders ehrlich und deutlich werden Sportler gerne mal im Überschwang des Erfolgs. Dann kündigen sie auch schon mal kleine Trink-Orgien an. „Heute essen wir sicher keine glutenfreie Pasta. Heute trinken wir nur Bier“, versicherte Eintracht Frankfurts Torhüter Lukas Hradecky nach dem Einzug ins DFB-Pokalfinale. Und die deutsche Nationaltorhüterin Almuth Schult gab nach dem Pokalsieg mit Wolfsburg gar das Feier-Motto aus: „Halb besoffen ist rausgeschmissenes Geld.“

Eine besondere Kunst ist es auch, komplizierte Sachverhalte in verständliche Beispiele zu verpacken. Als Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann gefragt wurde, ob er die Abgänge der Nationalspieler Sebastian Rudy und Niklas Süle zum FC Bayern bedauere, antwortete er: „Ein Bauer muss sich auch ab und zu von seinen Kühen und Schweinen trennen.“ Einleuchtend auch das Argument von Hertha-Trainer Pal Dardai über Vorteile von Kunstrasenplätzen: „Es gibt keine Maulwürfe.“

Manchmal ist das Leben eben gar nicht so kompliziert. Das weiß auch Leverkusens Profi Lars Bender. Auf die Frage der „Süddeutschen Zeitung“, warum er keinen Berater mehr habe, sagte er: „Man muss jetzt auch nicht so tun, als wären Fußballerverträge eine Raketenwissenschaft.“