Frankfurt/Main (dpa) l Kaum brennt die erste Kerze am Adventskalender, drehen sich Gespräche ums Weihnachtswetter. Weiß oder grün? In den Alpen keine Frage, dort liegt Schnee, wie jedes Jahr. Aber vier Wochen vor dem Fest ist es für andere Teile Deutschlands unmöglich, eine Prognose abzugeben. Höchstens ein paar Tage im Voraus seien sichere Vorhersagen möglich, und auch das nicht immer, sagen Meteorologen. „Manchmal bleibt es bis zum Tag vor Heiligabend spannend“, meint Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Bei Vorhersagen, die weiter als einen Tag in die Zukunft reichen, sei mit kontinuierlich abfallender Qualität zu rechnen, erläutert der DWD. „Je weiter wir in die Zukunft schauen wollen, desto schwieriger werden verlässliche Aussagen.“ Meteorologen helfen sich bei solchen Unsicherheiten mit Begriffen wie: „örtlich“, „möglich“ oder „wahrscheinlich“.

In den vergangenen 20 Jahren seien mit leistungsstärkeren Computern riesige Fortschritte gemacht worden, sagt Prof. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Frankfurter Goethe-Universität. „Die Vorhersagen sind deutlich besser geworden.“ Unter anderem dank sogenannter Ensemble-Vorhersagen mit „Spaghetti-Plots“.

Dabei errechnen Computer vom Ist-Zustand als Ausgangspunkt Prognosen aus rund 50 verschiedenen Simulations-Modellen. Jedes Modell wird mit einer Linie dargestellt – daher der Name Spaghetti. Je näher die Linien zusammenstehen, desto einiger sind sich die Modelle und desto zuverlässiger ist die Prognose. „Wenn alle das gleiche vorhersagen, ist es klar“, sagt Curtius. Aber wenn 20 Modelle sagen, es wird kälter, und 20 Modelle sagen, es wird wärmer – dann heiße das eben: „Wir wissen es nicht.“ Auf der Simulation sehen die chaotischen Linienverläufe dann manchmal aus wie ein Haufen gekochter Spaghettis.

Ab dem neunten Tag werden Prognosen sehr vage, sagt Curtius. Das Wetter sei ein chaotisches System, „kleine Änderungen haben große Auswirkungen.“ Etwa wenn die Temperatur nur um wenige Zehntel Grad variiere – im Winter könne das entscheiden, ob Schnee oder Regen fällt. Theoretisch wären Verbesserungen der Prognosen durch höhere Rechnerkapazitäten möglich, sagt Curtius, aber Kosten und Stromverbrauch wären immens. Und für lokale, ganz kurzfristig auftretende Erscheinungen wie Gewitter oder Tornados seien die Modelle zu grob. Lokale Vorhersagen seien dafür nicht möglich – „und das wird sicher noch lange so bleiben.“

Früher gab es auch nicht mehr Schnee

Beim DWD wird mit einem der größten europäischen Rechner gearbeitet. Der Super-Computer, nicht größer als vier Telefonzellen, errechnet Ensemble-Vorhersagen, die für wenige Tage recht genau sind, aber die Trefferquote sinkt schnell. „15 Tage im Voraus ist im Prinzip keine tagesgenaue Prognose mehr möglich“, sagt DWD-Experte Friedrich. Und es könne auch sein, dass sich die Modelle lange nicht einig sind, „ein halbes Grad kann entscheiden.“ Etwa über weiße oder grüne Weihnachten: „Manchmal stehen wir am 23. noch ratlos da.“ Sicher sind nur Angaben über das Wetter, das bereits vorbei ist.

Und aus der Statistik lassen sich auch Schlüsse ziehen, etwa zur Wahrscheinlichkeit weißer Weihnachten. Die hängt nach den Aufzeichnungen des DWD stark von der Region ab: Nur in den Alpen liegt an den Feiertagen verlässlich Schnee, im Bayerischen Wald beträgt die Wahrscheinlichkeit immerhin noch 90 Prozent, aber schon in München nur noch 40 Prozent, in Berlin 20 Prozent, entlang des Rheins nur noch 10 Prozent und an den Küsten sogar nur 2 Prozent. Zuletzt gab es 2010 in ganz Deutschland weiße Weihnachten. Damals lag Berlin sogar unter einer bis zu 38 Zentimeter dicken Schneedecke.

Dass früher mehr Schnee lag, wie viele Menschen glauben, stimme nicht, versichern die DWD-Meteorologen. Nach Auswertung der vergangenen 50 bis 60 Jahre habe sich an der Weihnachts-Schneewahrscheinlichkeit nichts geändert. Und auch Frühlingstemperaturen zum Fest sind möglich: 2012 erlebte Deutschland die wärmsten Weihnachtstage – Heiligabend herrschte in Freiburg bei 18,9 Grad T-Shirt-Wetter.