Magdeburg l Peters-Bauunternehmen aus Oebisfelde (Landkreis Börde) ist Spezialist beim Um- und Ausbau von Häusern. „Im Vergleich zum Vorjahr gehen etwas weniger Aufträge ein“, sagt Geschäftsführer Uwe Peters. Massive Einbußen beim Geschäft in en kommenden Monaten erwartet er nicht: „Wir haben reichlich zu tun.“

Wohnungsbau als Zugpferd

Die Bauwirtschaft komme im Vergleich zu anderen Branchen gut durch die Krise, sagt Giso Töpfer, Chef des Baugewerbe-Verbands Sachsen-Anhalt. Von Januar bis Juli gab es rund elf Prozent weniger neue Aufträge für die hiesigen Bauunternehmen. Der Großteil der Betriebe arbeite immer noch am Anschlag. „Wie zehren weiter von einem guten Auftragspolster“, so Töpfer.

Ein Zugpferd: der Wohnungsbau. Die Zahlen insgesamt zeigten aber auch, dass die Bauwirtschaft nicht gänzlich unberührt von Einbußen bei Industrie und Dienstleistungen bleibe.

Zurückhaltung bei öffentlichen Aufträgen

Ein Manko ist laut Baugewerbe-Verband die Zurückhaltung bei öffentlichen Ausschreibungen. „Im Straßen- und Tiefbau sieht es nicht so gut aus“, sagt Töpfer. Insbesondere bei den Kommunen gebe es einen gewaltigen Verwaltungsstau.

Ein Problem, denn ein Großteil der öffentlichen Aufträge kommt aus Städten und Gemeinden. Einbußen, aber ein weiter hohes Niveau verzeichnet die deutsche Baubranche: Sie erhielt im Juli weniger Aufträge (-4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Für das Gesamtjahr erwartet der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie immerhin ein Umsatzplus von nominal 3,5 Prozent (real 0,5 Prozent). Die Zahl der Beschäftigten werde bundesweit vorausichtlich um 10 000 auf 880 000 steigen.

Kaum noch Kurzarbeit

Auf dem Arbeitsmarkt im Land halten sich die Corona-Folgen in Grenzen: Im Bau wird überwiegend kontaktlos gearbeitet, Firmen setzten auf Kurzarbeit. Die meisten Anzeigen auf Kurzarbeitergeld gab es im April (1701), im September waren es nur noch 25. Im September meldeten sich 342 Beschäftigte aus dem Baugewerbe arbeitslos, gut sechs Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Den Job verloren von April bis September 2226 Beschäftigte, etwas mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres.

In der Baubranche hätten sich die Folgen der Corona-Pandemie nicht so stark ausgewirkt wie in der Gastronomie, dem Handel, Dienstleistungen und dem Verarbeitenden Gewerbe, sagt Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. Aufgrund der anhaltend starken Bautätigkeit im Land werde der Bedarf an Arbeitskräften weiter hoch bleiben, prognostiziert Behrens.

Platz drei für Sachsen-Anhalt

Das Bauwirtschaft in Sachsen-Anhalt ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Branche hatte 2019 einen Anteil von 8,3 Prozent an der gesamten Brutto-Wertschöpfung. Sachsen-Anhalt liegt deutschlandweit in dieser Statistik auf Platz drei hinter Mecklenburg-Vorpommern (9,2 Prozent) und Sachsen (8,4 Prozent).