420 000 Tonnen

Die RKW-Gruppe aus der Pfalz zählt zu den international führenden Herstellern von Kunststofffolien und Vliesstoffen. An 23 Standorten weltweit verarbeiten mehr als 3000 Mitarbeiter jährlich 420 000 Tonnen Kunststoffe. Der Umsatz betrug zuletzt 940 Millionen Euro. Zu den Hauptabnehmern zählen die Landwirtschaft, die Verpackungsindustrie und die Hygienebranche. Zu den größten Firmenkunden zählen die Procter & Gamble (Pampers) und Coca-Cola.

Unseburg l Wenn ein Unternehmer gefragt wird, weshalb er an einem Standort in Sachsen-Anhalt investiert, kommen häufig die gleichen Antworten: verkehrsgünstige Lage, Fördermittel, genug Fläche für Erweiterungen. RKW-Vorstandschef Harald Biederbick hingegen gibt offen zu: Sein Unternehmen hat gar nicht bewusst vorgehabt, in Sachsen-Anhalt zu investieren. „Wir hatten einfach zweimal die Chance, einen kleinen Mitbewerber zu übernehmen und so zwei neue Standorte zu entwickeln.“

Bereits 2007 hat die RKW-Gruppe die Hydrospun GmbH in Halberstadt aufgekauft. Die Firma, die Vliesstoffe herstellt, stand kurz vor der Insolvenz. Im vergangenen Jahr kam die Biofol Film GmbH in Unseburg im Salzlandkreis hinzu. Sie produziert Folien für Landwirte. Auch hier waren die Auftragsbücher leer, als RKW übernahm. Inzwischen hat sich einiges getan.

„Der Standort Halberstadt arbeitet wieder rentabel und auch in Unseburg sind wir auf einem guten Weg“, berichtet Harald Biederbick. Die positive Entwicklung ist kein Zufall. Um sie zu verstehen, muss man RKW kennen:

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Kunststoff wandert in Windeln

Bei dem Konzern handelt es sich um ein Familienunternehmen, das 1957 in Frankenthal in der Pfalz gegründet wurde. Die Eigentümer haben es bereits in der Vergangenheit verstanden, geschickte Zukäufe zu tätigen und so über die Zeit mehr als 20 Standorte weltweit mit 3000 Mitarbeitern aufzubauen. „Heute verfügen wir über viel Know-how bei der Entwicklung von Werken“, erklärt Biederbick. Entscheidend für den Erfolg sei aber auch ein langer Atem. „Die Investitionen rechnen sich oft erst Jahre später.“

RKW hätte in Halberstadt und Unseburg allerdings nicht zugeschlagen, wenn die dort produzierten Kunststoffe nicht auch zur Firmengruppe passen würden. „In beiden Fällen konnten wir unsere eigene Angebotspalette ergänzen“, erklärt der Firmenchef.

RKW lässt in Halberstadt mittlerweile unterschiedlichste Kunststoffe produzieren. Ein Teil davon wird später unter anderem in Windeln und in Slipeinlagen weiterverarbeitet. Der US-Konzern Procter & Gamble verwendet die Stoffe etwa für Pampers-Windeln. Ein anderer Teil wird zur Herstellung von Abdeckhauben für Autos und für Kunstleder genutzt.

Große Nachfrage in China

Das Werk in Unseburg wiederum stellt vorwiegend Folien und Rundballennetze für die Landwirtschaft her. Mit den Netzen können Landwirte ihre Strohballen verpacken. „In der Vergangenheit liefen die Geschäfte hier nicht so gut, weil nur für den regionalen Markt produziert wurde“, erläutert Biederbick.

Da RKW weltweit agiert, können die Kunststoffe nun auch in andere Länder verkauft werden. „Dadurch fallen saisonale Schwankungen weg, die Auftragslage bleibt stabil.“ Um profitabel zu arbeiten, muss das Werk in Unseburg künftig allerdings auch doppelt so viel produzieren wie bisher. „Wir wollen das Werk in den kommenden Jahren deshalb noch erweitern“, kündigt Biederbick an. Neue IT-Infrastruktur und ein neues Labor für die Qualitätssicherung hat RKW bereits einbauen lassen. „Wir entwickeln den Standort Schritt für Schritt weiter.“

Plastikmüll verschmutzt die Weltmeere

In Halberstadt beschäftigt RKW inzwischen 32 Mitarbeiter, in Unseburg 55. Genaue Angaben zu den Geschäftszahlen der Standorte will das Unternehmen nicht machen. Aber die Investitionen lohnen sich, denn weltweit ist die Nachfrage nach Kunststoffen groß. Biederbick macht dies am Bedarf für Windeln deutlich. „Weniger als zehn Prozent der Babys in China werden derzeit mit Windeln versorgt, das Potenzial ist also riesig.“ Aber auch große Getränkehersteller wie Coca-Cola würden ihre Flaschen zunehmend mit RKW-Folien verpacken.

Kunststoffe verschmutzen generell allerdings auch die Umwelt, weil nicht alle nachdem Gebrauch ordentlich entsorgt werden. Tausende Tonnen Plastik haben etwa den Weg in die Weltmeere gefunden. RKW versucht, Umwelt und Ressourcen zu schonen. So stehen in den Werken Recyclinganlagen für Produktionsabfälle. Außerdem arbeitet der Konzern mit einem Partnerunternehmen zusammen, das gebrauchte Kunststoffe aus der Landwirtschaft zurückholt und recycelt. „Wir übernehmen auch hier Verantwortung“, betont Biederbick. „Allerdings können wir nichts dagegen tun, wenn Plastik achtlos weggeworfen wird.“