Salutas Pharma im Landkreis Börde

In Sachsen-Anhalt arbeiten in den Werken in Barleben und Osterweddingen rund 1500 Menschen für den Pharma-Hersteller Salutas. In Barleben werden jährlich rund zehn Milliarden Kapseln und Tabletten produziert. 380 Wirkstoffe werden verarbeitet und als Arzneimittel in 75 Länder exportiert.

Salutas stellt Generika her, also jene Wirkstoffe, die wegen des abgelaufenen Patentschutzes günstig nachgeahmt werden können. Salutas Pharma ist ein Tochterunternehmen von Hexal. Vor zehn Jahren wurde Hexal für sechs Milliarden Euro an die schweizerische Novartis-Gruppe verkauft. Dort ist Salutas in den Sandoz-Firmenverbund integriert, der das Generika-Geschäft von Novartis bündelt.

Der Salutas-Standort in Barleben ist unter den weltweit mehr als 40 Sandoz-Produktionsstandorten der größte. Die Wurzeln der Pillenproduktion reichen weit zurück. 1886 gründete der Chemiker Constantin Fahlberg in Magdeburg die weltweit erste Saccharin-Fabrik. In der DDR entwickelte sich der Standort zu einem großen Arzneimittelwerk. Nach der Wende übernahm Hexal den Betriebszweig Pharmamittel. Für rund 170 Millionen Euro wurde 1995 eine neue Produktionsstätte an der Autobahn in Betrieb genommen. (ba)

Barleben l Im deutschen Markt für Arzneimittel geht es zu wie im Lebensmittelhandel. Der günstigste Anbieter wird bevorzugt. Weil die Krankenkassen sparen wollen, schreiben sie nachgeahmte Medikamente aus, sogenannte Generika. Der Hersteller, der die Ausschreibung der Krankenkasse gewinnt, darf produzieren. Andere Mitbewerber bleiben auf der Strecke.

Export in 75 Länder

Der Arzneimittel-Hersteller Salutas Pharma bekommt ziemlich häufig den Zuschlag. Am Produktionsstandort in Barleben (Landkreis Börde) verlassen pro Jahr rund zehn Milliarden Tabletten das Werk. Seit zehn Jahren gehört Salutas zu Sandoz, einem der weltweit führenden Generika-Unternehmen. Barleben ist der größte Standort in einem globalen Konzerngeflecht. Aus Sachsen-Anhalt gehen die Tabletten auf die Reise in 75 Länder der Welt. Der Standort in Barleben, der seit 20 Jahren besteht, hat aber auch Bedeutung für Deutschland. „Pro Jahr gehen von hier 200 Millionen Packungen Arzneimittel an den pharmazeutischen Großhandel und die Apotheken in Deutschland“, erklärt Simon Francis. Der gebürtige Waliser ist seit Anfang des Jahres neuer Standortleiter.

Er sieht sich mit einem Markt konfrontiert, der zwar wächst, aber auch enormen Kostendruck bei den Medikamentenherstellern verursacht. „Wir müssen uns strecken und gucken, dass wir die Produkte so effizient wie möglich produzieren“, sagt Burkart Broede, seit Jahresbeginn Finanzchef des Standorts. Die Gewinnmargen fallen wegen des scharfen Wettbewerbs geringer aus. Salutas Pharma muss bei niedrigen Kosten eine hohe Qualität liefern. Das gelingt in Barleben vor allem durch automatisierte Prozesse. Tablettenpressen, Kapselmaschinen und Verpackungslinien ermöglichen die rasche Produktion der Arzneien. Das werkseigene Lager sorgt für eine schnelle Auslieferung. „Wir haben bewiesen, dass wir wettbewerbsfähig produzieren können. Trotzdem sollten sich die Gesundheitspolitiker überlegen, ob nicht Korrekturen an einem System angebracht wären, das nur das Billigste bevorzugt“, erklärt Broede.

Impulse für die Wirtschaft

In Deutschland sind heute drei von vier verschriebenen Medikamenten Generika. Das war nicht immer so. Noch vor wenigen Jahrzehnten sahen die forschenden Pharmaunternehmen auf die Generika-Hersteller herab. Ärzte mieden die Präparate, zweifelten die Qualität an. Die Hersteller Ratiopharm und Hexal brachten den Markt in Schwung. Nach der Wende baute Hexal den Standort bei Magdeburg – als Drehkreuz für ganz Europa (siehe Infokasten).

Mehr als 1500 Mitarbeiter arbeiten derzeit bei Salutas Pharma in Barleben. Am Standort wird zwar nicht geforscht, dennoch ist das Werk ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region. Das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle hat 2008 die wirtschaftliche Bedeutung untersucht. Durch Aufträge an örtliche Unternehmen und Konsumausgaben der Mitarbeiter seien mehr als 1000 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden, so die Studie. Die daraus resultierenden Impulse führten zu weiteren Steuereinnahmen für das Land und die Kommune.