Flüchtlinge am Arbeitsplatz

Bundesweit finden 4 Prozent aller arbeitslos gemeldeten Flüchtlinge einen Job.

In Sachsen-Anhalt machen ehemalige Asylbewerber 2 Prozent aller Hartz-IV-Empfänger aus.

Quelle: Passauer Neue Presse/BA Halle

Magdeburg l „Die Brücke zwischen Migranten und interessierten Unternehmen ist noch nicht ganz fertig“, sagte Larissa Heitzmann vom Berufsförderer für Migranten "Jobbrücke" am Donnerstag in der Industrie- und Handelskammer Magdeburg. Sie moderierte die Veranstaltung zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Tatsächlich sprachen viele Arbeitgeber vor und hinter den Kulissen von ähnlichen Problemen bei der Einstellung von Flüchtlingen als Facharbeiter oder Auszubildende. Nicht nur der Bürokratiedschungel sei schwierig zu durchschauen, außerdem bräuchten Unternehmen zur erfolgreichen Integration vor allem eines: Viel Zeit für jeden neuen Angestellten.

Auf der Suche nach Fachkräften und solchen, die es mal werden wollen, sind viele der mehr als 40 teilnehmenden Unternehmen allerdings auf die Erschließung neuer Arbeitnehmergruppen angewiesen.

„Hohe Motivation“

Jens Burkart vom Caterers „Magdeburg Gastro Conzept“, hat 45 Angestellte und bereits vor vielen Jahren zwei Iraker eingestellt. „Es ist ein langer Prozess. Es gibt viele Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede“, sagte Burkart. „Aber ich sehe auch eine überdurchschnittlich hohe Motivation.“ Auch bei Auszubildenden hätte der Geschäftsführer Bedarf, von sechs Ausbildungsplätzen ist nur einer besetzt, seit zwei Jahren ist kein neuer Lehrling dazugekommen. Passend für junge Flüchtlinge sind die Ausbildungen zum Koch oder Restaurantkaufmann aber nicht. Grund dafür sei der schwere Berufsschulunterricht. „Selbst unsere deutschen Auszubildenden haben Probleme in den Berufsschulen“, sagte Burkart. Die dort vermittelten Inhalte findet er „sehr praxisfern“.

Tobias Fritschka vom Zementhersteller Opterra aus Karsdorf bei Naumburg rekrutiert bereits im Ausland. Um einen ausländischen Mitarbeiter mit Familie erfolgreich umzusiedeln, bräuchte ein Personaler wie er zwei Wochen in Vollzeit. „Für alle leisten kann man das eigentlich nicht“, sagte Fritschka. Von 230 Mitarbeitern am Standort Karsdorf sind 30 aus dem Ausland, von 30 Ausbildungsstellen zum Anlagenelektroniker oder Industriemechaniker sind 14 unbesetzt. Fritschka könne sich vorstellen, erstmal zwei Flüchtlinge als Azubis einzustellen, um einen Lernprozess im Unternehmen anzustoßen.

Wie viele andere Unternehmen im Land ist auch Opterra in einem ländlichen Gebiet angesiedelt. „Ob ein Mitarbeiter auf dem Dorf eingesetzt werden kann, ist nicht geklärt, wenn die Integration nicht geklärt ist“, sagte Fritschka.

Moschee als Standortfaktor

Die Möglichkeit, Neuankömmlinge im ländlichen Raum zu halten, war lange Zeit schlecht, aber verbessere sich, sagte Susi Möbbeck, Integrationsbeauftragte des Landes. Sie verwies auf islamische Gemeinden als Standortfaktor für muslimische Arbeitskräfte.

Neben Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau gibt es seit 2014 auch in Stendal ein islamisches Zentrum. Mehr als 4400 Syrer kamen dieses Jahr nach Sachsen-Anhalt, nach Zuzügen aus Polen die zweitgrößte Einwanderergruppe.

Thomas Arndt von Stahlbau Dessau sah Probleme auch beim Kontakt zu geflüchteten Ausbildungswilligen. Zurzeit beschäftigt das Unternehmen in Dessau zwei Flüchtlinge in einer Einstiegsqualifizierung, die mit Praxisbezug und Deutschunterricht auf eine Ausbildung vorbereitet. Die Interessierten wurden über das Jobcenter vermittelt. Vier weitere Plätze sind noch frei. „Man muss sich überall präsent zeigen und Flüchtlinge selber ansprechen,“ sagte Arndt. In diesem Jahr war in Sachsen-Anhalt jeder dritte Flüchtling zwischen 16 und 25 Jahre alt.

Viele warten ab

„Viele Betriebe sind in den Startlöchern, wollen auf dem Laufenden bleiben, aber warten noch ab“, sagte Holger Dalichow. Der selbständige Personaldienstleister vermittelt Facharbeiter in handwerkliche und technische Berufe. Weil der Markt immer enger werde, sind Betriebe aber offen für jeden, der motiviert und qualifiziert sei, betonte Dalichow.

Ans IHK-Mikrofon trat auch ein Geflüchteter: Ismail Smail aus dem Irak ist seit gut einem Jahr in Magdeburg. Weil er als Kind schon einmal in Deutschland lebte, spricht Smail perfekt deutsch. Er macht eine Einstiegsqualifizierung beim Magdeburger Institut für Kommunikation und Weiterbildung. Ziel: Einstieg in eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann. Ob er mit dem Ausbildungsgeld seine Frau und den einjährigen Sohn unterstützen könne, sei allerdings fraglich. Eine Festanstellung würde ihm finanzielle Sicherheit bringen. Die könne er auch bekommen, sagte Smail – allerdings als Ungelernter.