Nürnberg (AFP/dpa) l Insgesamt suchten zuletzt 2,633 Millionen Menschen einen Job, 16 000 weniger als im Oktober und 84 000 weniger als vor einem Jahr, teilte die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag mit. BA-Chef Frank-Jürgen Weise sagte, er halte den Arbeitsmarkt für die anstehenden Herausforderungen mit der Integration der Flüchtlinge für gerüstet.

Die November-Arbeitslosenzahl lag um gut 15 000 niedriger als im November 1991, als der bisherige Tiefststand der Arbeitslosenzahl nach der Wiedervereinigung erreicht wurde. Die aktuelle Arbeitslosenquote liegt bei sechs Prozent und blieb damit im Vergleich zum Oktober unverändert. Ein Rückgang der Arbeitslosenzahl ist im November kurz vor Beginn der Winterpause üblich, er fiel in diesem Jahr etwas stärker aus als im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre.

Weise sagte, „die Arbeitslosigkeit ist gesunken, Erwerbstätigkeit und Beschäftigung haben erneut kräftig zugenommen. Damit hat sich der Arbeitsmarkt auch in diesem Monat gut entwickelt.“ Auswirkungen der Flüchtlingskrise erwarte er erst ab dem zweiten Halbjahr des kommenden Jahres. Die von Weise verkündete November-Arbeitslosenzahl dürfte allerdings nach jahrelanger Rekordjagd die Talsohle auf dem deutschen Arbeitsmarkt markieren. Bereits 2016 wird laut Prognose des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wieder im Zeichen steigender Arbeitslosigkeit stehen.

Nach den jüngsten vorliegenden Zahlen des Statistischen Bundesamtes hatten im Oktober 43,5 Millionen Menschen einen Job, 385 000 mehr als vor einem Jahr. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag nach Berechnungen der BA im September im Vorjahresvergleich um 688 000 im Plus bei 31,35 Millionen.

Die gute Entwicklung machte sich auch bei der Finanzlage der Bundesagentur bemerkbar. Durch deutlich geringere Ausgaben etwa für Eingliederungsmaßnahmen, Kurzarbeiter- und Insolvenzgeld und Arbeitslosengeld sowie durch höhere Beitragseinnahmen erwirtschaftete die BA bis Ende November einen Überschuss von 3,2 Milliarden Euro gegenüber der ursprünglichen Kalkulation.

Markanter Anstieg im Gartenbau

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) nannte die Arbeitsmarktzahlen gerade angesichts der aktuellen Lage „sehr bemerkenswert“. „Das sind gute Vorzeichen für die Herausforderung, vor der wir stehen: Wir wollen erreichen, dass alle hier im Land – ob neu zugewandert oder bisher in Arbeitslosigkeit – die Chance auf einen Neustart haben.“ Jeder solle die Chance haben, ohne staatliche Unterstützung und dauerhaft für sich selbst zu sorgen.

Gegen den Bundestrend ist die Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt wieder geringfügig gestiegen. Rund 111 060 Männer und Frauen waren im November ohne Job gemeldet, wie die zuständige Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Halle mitteilte. Das waren knapp 200 mehr als im Oktober, aber gut 3550 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg leicht um 0,1 Punkte auf 9,6 Prozent. Zuletzt war sie über mehrere Monate gesunken. In den Wintermonaten steigt sie saisonbedingt erfahrungsgemäß an. Im November 2014 hatte die Arbeitslosenquote bei 9,8 Prozent gelegen.

Die Nachbarländer Sachsen und Thüringen meldeten weniger Arbeitslose im Vergleich zum Oktober. In Sachsen-Anhalt hätten weniger Menschen einen neuen Job angetreten oder eine Maßnahme begonnen als etwa in Thüringen, sagte ein Sprecher der Regionaldirektion. Markant sei zudem der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Gartenbau um 4 Prozent im Vergleich zum Vormonat.

Nach den jüngsten Zahlen von September waren in Sachsen-Anhalt 787 100 Männer und Frauen sozialversicherungspflichtig beschäftigt – 5100 mehr als vor einem Jahr. Zudem seien 15 300 offene Stellen gemeldet, teilte die Regionaldirektion weiter mit. Einen Anstieg an neuen Stellen gab es demnach vor allem bei den Lehrern und im Logistikbereich.