Die Ärgernisse der Bahnkunden

Pünktlichkeit: Jeder vierte Fernzug fährt heute mindestens sechs Minuten zu spät in den Bahnhof und ist damit nach Konzerndefinition verspätet. 2016 soll die Quote der pünktlichen Züge von 74 auf 80 Prozent steigen, langfristig auf 85 Prozent.

Verschwindende Züge: Bei Verspätung verschwinden Züge von der Anzeigetafel. Die Tafeln sollen künftig die nächsten drei Züge anzeigen. 10 000 Anzeigetafeln sollen dafür im nächsten Jahr umprogrammiert werden.

Gesperrte Toiletten: Jeder zweite Fernzug geht mit einem Mangel ins Netz, gesperrte Toiletten sind nur ein Beispiel. Ein mobiler Service soll dafür sorgen, dass die Zugflotte immer zu 100 Prozent intakt ist.

Service im Zug: Die Zugbegleiter sollen sich wieder mehr um die Kunden kümmern. Zusatzaufgaben, wie Fahrgäste zu zählen, fallen weg. Dafür gibt es Überlegungen für einen Am-Platz-Service in der 2. Klasse. So etwas gibt es bisher nur in der 1., wo Speisen und Getränke gebracht werden.

Wlan: Seit einem Jahr ist der drahtlose Internetzugang in der 1. Klasse des ICE inklusive, die zweite Klasse soll 2016 folgen.

Preissystem: Viele Kunden halten es für schwer durchschaubar. Nur jeder zehnte Reisende zahlt nach Bahnangaben den Normalpreis ohne Rabatt. Mit 19-Euro-Tickets stemmt sich die Bahn gegen Konkurrenz auf der Straße und in der Luft. (dpa)

Berlin (dpa) l Kosten für den Konzernumbau, Probleme der Gütersparte, Streiks und Unwetterschäden drücken den Bundeskonzern in diesem Jahr mit gut einer Milliarde Euro ins Minus, wie am Mittwoch aus Aufsichtsratskreisen verlautete. Medien berichteten von einem Verlust von knapp 1,3 Milliarden Euro.

Unterdessen nimmt der tiefgreifendste Umbau des Konzerns seit mehr als zwei Jahrzehnten Formen an. „Der Vorstand wird dem Aufsichtsrat am 16. Dezember ein mehrjähriges Programm für mehr Qualität, mehr Kunden und mehr Erfolg vorlegen“, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Er nannte jedoch keine Details und äußerte sich auch nicht zu den erwarteten Geschäftszahlen.

Schon im Juli hatte der Konzern seine Jahresprognose nach unten korrigiert, damals aber unterm Strich noch wie im Vorjahr einen Gewinn von einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt. Laut Aufsichtsratskreisen droht nun trotz eines Rekordumsatzes von etwa 40,6 Milliarden Euro ein Verlust.

Vom voraussichtlichen Vorsteuergewinn von 1,75 Milliarden Euro gehen demnach 700 Millionen Euro für Konzernumbaukosten ab, weitere 1,3 Milliarden Euro für Abschreibungen im Güterverkehr. 850 Millionen Euro überweist die Bahn wie geplant als Dividende an ihren Eigentümer, den Bund. Im vergangenen Jahr hatte die Bahn bei einem Umsatz von 39,7 Milliarden Euro einen Gewinn von 988 Millionen Euro ausgewiesen.

Der Aufsichtsrat wird am 16. Dezember über das Programm „Zukunft Bahn“ entscheiden, mit dem Konzernchef Rüdiger Grube das Unternehmen wieder profitabel machen will. Demnach sollen in den nächsten fünf Jahren 20 Milliarden Euro in die Qualität des Angebots investiert werden, etwa in bessere Informationssysteme an Bahnsteigen und ein Frühwarnsystem für drohende Weichenstörungen. Die Pünktlichkeit soll steigen, der Service besser werden.

Zu einer besseren Pünktlichkeit soll auch die Software Rail Control System der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) beitragen, die nach eigenen Angaben das am dichtesten befahrene Zugnetz der Welt betreibt. Es soll von 2019 an auch die Züge auf dem Netz der DB Netz AG disponieren. Eine entsprechende Lizenzvereinbarung wurde Ende August 2015 geschlossen. Die Schweizer Bahn zählt Experten zufolge zu den pünktlichsten der Welt. Meinung