Die Energiewende in Sachsen-Anhalt

Der Energieanteil an der Stromerzeugung aus Sonne und Wind soll bis zum Jahr 2025 deutschlandweit auf 40 bis 45 Prozent ausgebaut werden. Sachsen-Anhalt hat das Ziel des Bundes seit mehreren Jahren erfüllt. 2013 betrug der Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung 44,8 Prozent.

97 Windkraftanlagen sind im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt gebaut worden. Damit sind zwischen Altmark und Harz derzeit 2679 Windräder in Betrieb. Dies entspricht theoretisch der Leistung von fast vier Kernkraftwerken – die aber nur in dieser Größenordnung einspeisen, wenn der Wind überall stark weht. Bei der Windkraftleistung liegt Sachsen-Anhalt bundesweit inzwischen auf Platz vier.

In Sachsen-Anhalt stehen rund 23 000 Photovoltaik-Anlagen. Das Land ist Stromexporteur. Seit 2007 werden etwa 20 Prozent der Bruttostromerzeugung in benachbarte Länder abgegeben. (ba)

Magdeburg l Zwischen Altmark und Harz gingen im vergangenen Jahr 97 neue Anlagen mit einer Leistung von mehr als 260 Megawatt ans Netz. Das Rekordjahr 2014 mit einem Zubau von 109 Windenergie-Anlagen wurde nur knapp verfehlt. Deutschlandweit sind im vergangenen Jahr Windräder mit einer Leistung von mehr als 3700 Megawatt installiert worden. Nur 2014 waren es noch mehr. Das teilte der Bundesverband Windenergie (BWE) am Mittwoch mit.

Die Branche beschäftigt mehr als 130 000 Menschen und erwirtschaftete einen Umsatz in der Höhe von 11,8 Milliarden Euro. Siemens und Enercon sind die größten einheimischen Windmühlenbauer. Für die Windrad-Konzerne lief im vergangenen Jahr auch weltweit alles nach Plan. Hersteller aus Deutschland hatten 2015 einen Weltmarktanteil von über 20 Prozent. Etwa zwei Drittel der Produktion gingen in den Export.

Bislang half der Staat

In Deutschland lief das Geschäft mit der Windkraft praktisch von selbst. Um die Energiewende voranzutreiben, wird bislang jede Kilowattstunde Windstrom vom Staat gefördert. Die Steuerzahler subventionierten die Windenergie an Land zuletzt mit etwa 8,8 Cent pro Kilowattstunde. Doch der Branche droht Ärger.

Im Bundeswirtschaftsministerium wird derzeit an einer Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gearbeitet. Ab 2017 soll die Vergütung nicht mehr gesetzlich festgeschrieben sein, sondern per Ausschreibung ermittelt werden. Der Betreiber, der sich mit der geringsten Förderung zufrieden gibt, soll künftig den Zuschlag bekommen. Zudem gibt es den Vorschlag, den Ausbau von Windanlagen an Land zu begrenzen.

Neue Regeln

In der Windbranche treffen diese Pläne auf Widerstand. Der BWE befürchtet, dass Hersteller und Betreiber durch jährlich schwankende Ausschreibungen verunsichert werden könnten und der Technologiestandort dadurch leiden könnte. „Der sich im Planungsverlauf immer wieder verändernde gesetzliche Rahmen macht es Projektierern schwer, Risiken abzuschätzen“, sagte Hermann Albers, Chef des BWE. Die Debatte um mögliche Korridore unter Ausschreibungen verschärfe diese Situation, so der Cheflobbyist der Branche. „Das bedroht gerade kleine Akteure und Bürgergenossenschaften, die wir für die Akzeptanz und die Verankerung der Energiewende vor Ort aber dringend benötigen“, erklärte Albers.

Die Bundesregierung will das Fördersystem vor allem deshalb ändern, weil der Zubau der Erneuerbaren Energien verstärkt die Stromnetze belastet. Um die Leitungen stabil zu halten, mussten im vergangenen Jahr die Netzbetreiber häufiger einschreiten und die Windanlagen herunterfahren. Allein in Sachsen-Anhalt wurden nach Angaben des Stromnetzbetreibers Mitnetz Ökostromanlagen 148-mal zeitweise abgeschaltet.

Aeikens warnt

„Wir müssen die drohenden Versorgungsengpässe durch den derzeit ungenügenden Netzausbau sowie die steigenden Energiekosten für private Haushalte und Wirtschaft im Auge behalten“, warnte der Umweltminister von Sachsen-Anhalt, Hermann Onko Aeikens (CDU). Wettbewerbliche Ausschreibungen trügen diesen Gesichtspunkten Rechnung, so Aeikens weiter. Das neue EEG müsse aber so angelegt sein, dass „die Hersteller von Windkraftanlagen weiterhin am Markt agieren können und zudem die Akteursvielfalt in Planung und Betrieb erhalten bleibt“.