Barleben l Torsten Lauche kann quasi an jeder Tankstelle im Land ablesen, ob sich die Geschäfte seines Unternehmens in nächster Zeit eher besser oder schlechter entwickeln werden. Getriebetechnik Magdeburg konzipiert und produziert tonnenschwere Getriebe, und immer, wenn die Ölpreise steigen, erhöht sich auch die Bereitschaft der Kunden von GTM, neue Anlagen zu ordern.

Jüngstes Beispiel ist der belgische Schiffbauer JDN. Dieser baut Spezialschiffe, die beim Bau von Windparks auf hoher See zum Einsatz kommen. Die Firma hat zwei 18 Tonnen schwere Getriebe für 500 000 Euro bestellt. „Da die Ölpreise wieder steigen, werden weltweit auch wieder mehr Windparks im Meer gebaut, wofür wiederum mehr Schiffe benötigt werden“, erklärt Lauche.

Durststrecke nach der Wirtschaftskrise

Pro Jahr baut GTM im Schnitt fünf bis sechs große Getriebe, hinzu kommen die Fertigung von Zahnrädern und Serviceleistungen. „Wir haben einige Aufträge in der Pipeline“, erzählt der 52-Jährige. Das war aber bei Weitem nicht immer so. Gegründet wurde GTM 2008 – kurz nach der Finanz- und Wirtschaftskrise. Erst 2010 wurde der Betrieb richtig aufgenommen.

Als Einzelunternehmen eine so lange Durststrecke zu überwinden, wäre wohl schwierig geworden. Doch GTM gehört zur Firmengruppe des Iraners Jamshid Yektai – ebenso wie etwa der Magdeburger Pumpen- und Getriebehersteller Vakoma. „Die Firmen der Gruppe arbeiten zwar eigenständig, aber bei Schwächephasen können sie sich gegenseitig unterstützen“, erzählt Lauche.

Auch wenn sich Kunden noch lange nach der Wirtschaftskrise mit Aufträgen zurückgehalten hätten, habe es GTM in den vergangenen Jahren geschafft, wirtschaftlich voranzukommen. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 50 Mitarbeiter und kommt im Jahr auf einen Umsatz von zehn Millionen Euro. Die Getriebe, die das Unternehmen fertigt, werden nicht nur auf Schiffen verbaut. Manche stecken in Riesen-Baggern, die im Tagebau zum Einsatz kommen. Auch Tunnelbohrmaschinen werden mit ihnen ausgestattet.

Trend zu immer größeren Getrieben

Seit Jahren hält sich in der Branche der Trend zu immer größeren, immer schwereren Getrieben, berichtet Lauche. Diejenigen beispielsweise, die in den Tagebau-Baggern zum Einsatz kommen, wiegen pro Stück elf Tonnen. „Der Trend war auch der ursprüngliche Grund, weshalb dieses Unternehmen überhaupt erst gegründet wurde.“ In seinen anderen Firmen hätte Jamshid Yektai nicht genügend Platz für besonders große Getriebe gehabt, deshalb habe er sich für eine Neugründung auf der grünen Wiese in Barleben entschieden.

Heute fertigt GTM Getriebe ab einem Gewicht von zwei Tonnen. „Das Größte, das wir je konstruiert haben, wog allerdings 32 Tonnen“, erzählt Torsten Lauche. Die 18 Tonnen schweren Kolosse, die demnächst nach Belgien transportiert werden, würden insofern nur der mittelgroßen Kategorie angehören.

Besonders wichtig ist dem Geschäftsführer das Thema Qualität. Der Gigantismus ist äußerst kostspielig, ein Bagger im Tagebau muss schon eine Zeit lang ohne Panne arbeiten. „Erfreulicherweise erhalten wir auch deshalb immer mehr Aufträge, weil die Kunden darauf vertrauen, dass sie von uns langlebige Getriebe erhalten.“

Um weniger anfällig für regionale Wirtschaftskrisen zu sein, vertreibt GTM seine Getriebe weltweit. Jede zweite Anlage exportiert das Unternehmen ins Ausland. Lauche ist auch optimistisch, dass GTM in den kommenden Jahren weiter wächst. „Nicht nur in Deutschland werden Windparks gebaut, der Trend zu erneuerbaren Energien wird sich ja auch in anderen Teilen der Welt weiter durchsetzen.“

Und mit Blick auf die steigenden Ölpreise wird er sich womöglich noch beschleunigen.