Berlin (dpa) l Nach Einschätzung der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit haben sich bislang erst sehr wenige Piloten der insolventen Air Berlin einzeln bei anderen Fluggesellschaften beworben. "Wir schätzen, dass von den 1250 Kollegen vielleicht 20 bis 50 diesen Schritt gegangen sind", sagte VC-Sprecher Markus Wahl am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Der Betriebsrat wolle bei den in dieser Woche anlaufenden Sozialplan Verhandlungen weiterhin kollektive Übergangsregeln erreichen, um soziale Gesichtspunkte zu berücksichtigen, erklärte der Gewerkschafter. Nur so könne eine "Rosinen-Pickerei" der aufnehmenden Gesellschaften verhindert werden, die ansonsten besonders alte, teure oder aufmüpfige Piloten nicht einstellen würden. Die VC wolle beispielsweise erreichen, dass Familienväter und -mütter gegenüber Singles bevorzugt würden.

Die Sozialplanverhandlungen kämen aus seiner Sicht "zwar reichlich spät", seien aber dennoch zu begrüßen, sagte Wahl. "Natürlich ist die VC auch zu kurzfristigen Gesprächen bereit."

Darüber hinaus müssten mit den aufnehmenden Gesellschaften – nach Lage der Dinge wahrscheinlich die Eurowings und Easyjet – Gespräche über die Eingliederung der Air-Berlin-Piloten geführt werden. Hier gehe es um die Anerkennung der dienstlichen Erfahrung ebenso wie um die Funktionen als Kapitän oder Co-Pilot. Mit der Easyjet sei man bislang über ein einleitendes Gespräch nicht hinausgekommen und auch bei der Eurowings hat die VC den angestrebten "Tarifvertrag Wachstum" noch nicht abgeschlossen. Die Lufthansa-Tochter wirbt derzeit stark um neue Piloten und Flugbegleiter – ausdrücklich auch aus den Reihen der Air Berlin.

Die bisher zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft mit mehr als 8000 Beschäftigten hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Vorerst geht der Flugbetrieb weiter, weil der Bund mit einem Kredit einsprang. Bis zum 12. Oktober soll feststehen, wer große Teile des Flugbetriebs übernehmen kann.