Magdeburg l Die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt schafft mehr Jobs, die Arbeitslosigkeit geht zurück. Von dieser positiven Entwicklung profitieren Langzeitarbeitslose bisher allerdings kaum. Das liegt daran, dass sie häufig mit mehreren Problemen fertigwerden müssen. Die einen haben gesundheitliche, finanzielle oder familiäre Probleme, anderen fehlt die nötige Qualifikation. Das Land will ihnen nun mit einem neuen Programm helfen.

Künftig sollen sogenannte Integrationscoaches den Langzeitarbeitslosen unter die Arme greifen. Sie sollen ihnen helfen, ihre Alltagsprobleme in den Griff zu bekommen, und sie anschließend an den Arbeitsmarkt wieder heranführen. Wie Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Dienstag in Magdeburg erklärte, wird die Regierung für das Landesprogramm „Sozialer Arbeitsmarkt“ 15 Millionen Euro in den kommenden zwei Jahren investieren. Zunächst sollen rund 2000 Langzeitarbeitslose von den Integrationscoaches begleitet werden. Die Dauer der Begleitung wird vom Erfolg abhängen, maximal soll sie über drei Jahre erfolgen.

Niedrigschwellige Angebote

Weil es oft zu schwierig ist, Langzeitarbeitslose gleich in einen normalen Job zu bringen, sollen ihnen zunächst „niedrigschwellige Angebote“ gemacht werden, so Grimm-Benne. Es geht dabei in der Regel um leichte Jobs mit begrenzten Arbeitszeiten, um die Betroffenen an den normalen Arbeitsalltag wieder zu gewöhnen. Gleichzeitig helfen die Integrationscoaches den Teilnehmern, ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Sie begleiten jene mit finanziellen Sorgen etwa zur Schuldnerberatung, Drogenabhängige zur Suchtberatung. Geringqualifizierte sollen Weiterbildungsmöglichkeiten erhalten, auch jene, die bereits eine Ausbildung abgebrochen hatten. Nach spätestens drei Jahren soll die Vermittlung in reguläre Arbeit dann gelingen.

Positive Erfahrungen mit Integrationscoaches hat das Land bereits gesammelt. Seit Jahren unterstützen sie über das Landesprogramm „Familien stärken“ Alleinerziehende bei der Rückkehr in Beschäftigung. Seit 2013 konnten 700 von ihnen wieder in Ausbildung oder Arbeit vermittelt werden. Förderung über Assistenten erhalten auch leistungsschwache Auszubildende, denen sonst wahrscheinlich die Arbeitslosigkeit drohen würde.

Für jene, die kaum noch in Arbeit vermittelt werden können, soll es weiter Bürgerarbeitsplätze geben. Der Bund finanziert derzeit 2000 solcher Jobs in Sachsen-Anhalt, das Land bietet weitere 1100 Jobs für Langzeitarbeitslose, die älter als 58 Jahre sind. Arbeitsagenturchef Kay Senius regte vor kurzem an, das Land sollte noch mehr solcher Jobs schaffen, da es landesweit nach wie vor mehr als 40 000 Langzeitarbeitslose gibt.

Die Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände (AWSA) sehen dies allerdings kritisch. AWSA-Geschäftsführer Matthias Menger warnte am Dienstag, bei einer Ausweitung von geförderter Beschäftigung könnte es zu einer Verdrängung von einfachen Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt kommen.