Magdeburg l Beim Automobilzulieferer Ifa in Haldensleben brodelt es. Das Management von Ifa Powertrain hat sich in einem Brief an Geschäftsführer Arno Haselhorst gewandt, in der Belegschaft wächst die Unruhe. Grund ist die Personalie Manfred Meyering.

Meyering, den Mitarbeiter als „Henker“ bezeichnen, ist seit einigen Wochen zurück. Geschäftsführer Arno Haselhorst soll den früheren Geschäftsführer von Ifa Powertrain als Berater installiert haben. Von Ifa-Seite heißt es: Man beantworte grundsätzlich keine Fragen zu internen Vorgängen.

Kritik: Über die Entscheidung und über die Aufgaben von Meyering habe Haselhorst niemanden in der Holding informiert, sagt ein Insider. In einem internen Brief an Haselhorst, der der Volksstimme vorliegt, werten die Manager der Ifa Powertrain das Auftauchen Meyerings als „erheblichen Vertrauensverlust und Misstrauensvortum der bisher geleisteten Arbeit“.

Als Geschäftsführer der Ifa Powertrain GmbH war Meyerings Vertrag im Frühjahr ausgelaufen. Der zweite Geschäftsführer Sven Spies ging kurze Zeit nach ihm. Als Geschäftsführer folgte Heinz Sarnau. Unter seiner Führung sei Ruhe eingekehrt, heißt es aus der Belegschaft, die Motivation der Mitarbeiter zum Erhalt der Ifa sei deutlich gestiegen. Der neue Geschäftsführer habe die wirtschaftlich marode Gesellschaft wieder in die Spur gebracht. Die Ifa Powertrain GmbH ist mit mehr als 1000 Mitarbeitern ist verantwortlich für die Produktion am Standort in Haldensleben. Das Geschäft lief trotz Corona und laufender Sanierung des Zulieferers in diesem Jahr gut. Die Gesellschaft habe bis Oktober allein 97 Prozent des Jahres-Ergebnisses der Ifa-Gruppe erwirtschaftet.

Im Juni noch war die Unruhe groß, Ifa hatte angekündigt, mehr als 400 Stellen weltweit abzubauen. Am Stammsitz in Haldensleben wurde die Zahl der Leiharbeitskräfte reduziert. Etwas Ruhe kehrte ein.

Jetzt ist Meyering wieder da. Mitte November äußerte sich der Betriebsrat von Ifa in einem offen Brief: „Die Entscheidung von Dr. Haselhorst zum Einsatz von Herrn Meyering tragen wir nicht mit!“ Im Schreiben der Manager von Ifa Powertrain heißt es: Die Einbindung von Meyering schüre in großen Teilen der Belegschaft „erhebliche Unruhe, Angst und Unsicherheit“. Im Betriebsrat wird moniert, der Manager habe mit seinen Entscheidungen unter anderem zu Fertigungstiefenoptimierung Ifa einen Umsatzverlust sowie einen großen Imageschaden beschert. Den Abbau von rund 450 Arbeitsplätzen sei von ihm gegenüber Belegschaft und Geschäftsführung unzureichend kommuniziert worden.

Negativ angekreidet wird Meyering vor allem, dass ein bestehender Auftrag über die Fertigung von Gelenken mit einem Volumen von 120 Millionen Euro für den Zulieferer Magna doch nicht zustandekam. Die Manager der Ifa Powertrain kritisieren, er habe Wartung und Instandhaltung vernachlässigt und sei für die hohe Zahl von Maschinenausfällen im laufenden Jahr verantwortlich. Gegenüber Mitarbeitern und Führungskräften trete er cholerisch und respektlos auf. Die Bombe platze am Mittwoch vergangener Woche. Meyering hatte sich nach Volksstimme-Informationen zuletzt regelmäßig in den Produktionshallen der Ifa Powertrain gezeigt, soll Mitarbeiter befragt haben. Mit der Geschäftsführung der Ifa Powertrain sei das nicht abgesprochen gewesen sein. Meyering sei dann „freundlich vor die Tür gesetzt“ worden, berichtet ein Beschäftigter.

Am Montag dieser Woche der Paukenschlag: Ifa-Geschäftsführer Haselhorst entbindet Sarnau mit sofortiger Wirkung von dessen Aufgaben. Es habe sich dabei um „völlig normale Geschäftsvorgänge“ gehandelt, kommentiert Ifa.

Der Beirat der Ifa-Holding soll sich dem Vernehmen nach gegen die Entlassung ausgesprochen haben. Christoph Laies, bei Powertrain für das operative Geschäft zuständig, und der kaufmännische Geschäftsführer Christoph Lausch hätten die Entscheidung kritisiert. Auch in der Belegschaft sei das Unverständnis groß. Manfred Meyering soll unterdessen von Arno Haselhorst als Interims-Geschäftsführer bei Ifa-Powertrain eingesetzt worden sein. Wie Manager und Belegschaft weiter reagieren? Ausgang offen.

Ifa war in der Vergangenheit in finanzielle Schwierigkeiten geraten, nachdem es unter anderem Anlaufschwierigkeiten im neuen Werk in Polen gab. Der Zulieferer sollte seither neu aufgestellt werden. Sanierungsexperte Arno Haselhorst hatte Anfang des Jahres die Geschäftsführung übernommen. Er sagt, Ifa sei bisher gut durch die Corona-Krise gekommen. Ende Oktober habe man den Sanierungskredit zurückzahlen können.

Ifa produziert Seiten- und Gelenkwellen für Autohersteller. Nach früheren Angaben beschäftigt das Unternehmen weltweit 3300 Mitarbeiter, davon 2000 in Sachsen-Anhalt. Ifa fertigt zudem in Polen, China und den USA.