Staßfurt l Eine Frau, fünf Männer. Claudia Dalbert sitzt auf dem Podium. Mit ihr nur Krawattenträger. Die grüne Ministerin ist für die Bauern ein rotes Tuch. Seit ihrem Amtsantritt 2016 gibt es immer mal wieder Bauernproteste.

Im Januar kam es zum großen Knall

Erst im Januar war es zum großen Knall gekommen. Mehrere Agrarverbände stiegen aus der Diskussion über ein neues Agrar-Leitbild aus. Der Präsident des Landesbauernverbandes, Olaf Feuerborn, sprach von „unrealistischen Träumereien“, die für die Landwirte nicht tragbar seien. In Staßfurt bekräftigt er das: „Wir haben die Notbremse gezogen.“

Dalbert begibt sich sozusagen in die Höhle des Löwen. Sie gibt sich wirklich Mühe, einen guten Eindruck zu machen. Die Ministerin lächelt, sie klatscht Beifall, gratuliert Preisträgern. Den Präsidenten begrüßt sie mit „sehr geehrter, lieber Herr Feuerborn“.

Der liebe Herr Feuerborn zieht aber ganz schön vom Leder. In seiner Rede tauchen immer wieder die Wörter „erwarten“ und „fordern“ auf. Es geht etwa um Natura 2000, das zusammenhängende Netz von Schutzgebieten. 11 Prozent der Landesfläche sind davon betroffen. Die Landwirte erwarten, dass die Ziele des Naturschutzes in Sachsen-Anhalt darauf beschränkt bleiben. Insbesondere die Milchproduzenten seien durch Natura 2000 „bis hin zur Existenzgefährdung betroffen“.

Auch der Wolf ist Thema

Thema ist auch der Wolf. Feuerborn sagt: „In unserer hochtechnisierten Gesellschaft ist eigentlich für den Wolf kein Platz.“ In einer Erklärung der 190 Delegierten heißt es: „Die uneingeschränkte Ausbreitung des Wolfes, die mit massiven existenzbedrohenden Folgeschäden für unsere Weidetierhalter einhergeht, ist nicht hinnehmbar.“ Die Landwirte fordern eine Entschädigung für alle durch den Wolf entstandenen Kosten innerhalb von acht Wochen.

Es geht um Öko-Landbau, Tierschutz- und Umweltauflagen, die Afrikanische Schweinepest. „Die Landesregierung muss sich intensiv um präventive Maßnahmen kümmern, damit wir gar nicht erst den Seuchenfall bekommen“, sagt Feuerborn. Die Jäger müssten besser unterstützt werden. Sollte die Schweinepest eingeschleppt werden, befürchtet Feuerborn erhebliche wirtschaftliche Einbußen.

Dalbert legt gelegentlich den Kopf auf die Hand, sie hört konzentriert zu. Ihre Rede klingt ganz anders als die von Feuerborn. Die grüne Ministerin steigt ein mit Wetterkapriolen und den Folge des Klimawandels. Sie spricht von der Reduzierung von Treibhausgasen, von ökologischem Landbau, von Grünstreifen zum Schutz von Bienen und Insekten.

Der Murmelpegel im Saal steigt

Dalbert vertritt ihre Positionen offensiv. Sie redet den Delegierten nicht nach dem Mund. „Ich bedauere sehr, dass sich der Landesbauernverband und weitere zwölf Verbände aus dem konstruktiven Dialog zurückgezogen haben“, sagt sie.

„Dalbert tritt als Umweltministerin auf, nicht als Agrarministerin“, heißt es später. Nach ihrer Rede gibt es Applaus am untersten Ende der Geräusche-Skala. Dann kommt es zur Aussprache – und die Ministerin hat es plötzlich eilig. Ein anderer Termin, eine Aufsichtsratssitzung. Der Abschied ist kühl.

Empörung im Saal. „Das ist peinlich“, sagt ein Delegierter. Ein anderer meint: „Da hätte sie erst gar nicht kommen müssen. Die nimmt uns nicht ernst.“ Ein Gast aus Thüringen fügt hinzu: „Das wäre bei uns nicht passiert. Da bleibt die Ministerin immer bis zum Ende. Und manchmal noch länger.“

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