Halle (dpa) l Die Zahl der Auszubildenden ist in Sachsen-Anhalt so stark zurückgegangen wie in keinem anderen ostdeutschen Bundesland. In den zurückliegenden vier Jahren sank sie von knapp 31 800 auf rund 29 900, wie die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Halle mitteilte. Das Minus habe damit bei 5,8 Prozent gelegen, nur im Saarland fiel es mit fast 8,6 Prozent noch höher aus. Bundesweit verzeichneten nur Hamburg, Baden-Württemberg und Sachsen zwischen 2013 und 2017 eine positive Entwicklung der Azubi-Zahlen.

Auffällig aus Sicht der Arbeitsmarktexperten: In Sachsen-Anhalt fällt der Rückgang bei den weiblichen Azubis besonders deutlich aus. Ihre Zahl sei binnen vier Jahren um neun Prozent auf knapp 11 300 zurückgegangen. Nur im Saarland sei das Minus mit 9,8 Prozent noch höher ausgefallen. Bundesweit sei die Zahl der weiblichen Auszubildenden um 3,4 Prozent gesunken. Mehr junge Frauen zögen ein Studium einer Ausbildung vor, zudem zögen sie eher für eine Ausbildung in ein anderes Bundesland als junge Männer.

Unterschiedliche Entwicklung

Während es insgesamt weniger Azubis gibt, ist die Entwicklung in den einzelnen Branchen höchst unterschiedlich, so die Regionaldirektion. Besonders hohe Verluste verzeichneten Produktions- und Fertigungsberufe. Im Metallbau und der Schweißtechnik etwa habe der Rückgang bei 24 Prozent gelegen, in der Elektrotechnik bei 27 Prozent.

Der Grund liege vor allem in der von den Arbeitgebern geforderten Bereitschaft zur Montagetätigkeit. Auf viele Jugendliche wirke das abschreckend. Auch bei den Köchen werde händeringend nach Azubis gesucht – in den zurückliegenden vier Jahren sank die Zahl der Nachwuchs-Köche um fast 35 Prozent oder 238 junge Frauen und Männer.

Zu den Gewinnern hingegen gehören die Berufe der Baubranche. Im Tiefbau sei ein Zuwachs um 18 Prozent bei den Azubis verzeichnet worden. Bei Klempnerei, Sanitär, Heizung und Klimatechnik habe das Plus bei 36 Prozent gelegen. Einstellige Zuwächse meldeten Berufe in Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung sowie Verkehr und Logistik.

Für das aktuelle Ausbildungsjahr läuft die Vermittlung von Bewerbern noch, wie die Regionaldirektion weiter mitteilte. Am Ende würden aber wieder viele Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben. Arbeitgeber sollen prüfen, ob sie nicht auch verstärkt leistungsschwächere Jugendliche berücksichtigen könnten.