Magdeburg (dpa/tw/cb) l Die Bertelsmann-Tochter Arvato will weniger Call-Center in Ostdeutschland schließen als bisher angekündigt. Die größten Niederlassungen in Halle, Magdeburg und Cottbus mit rund 700 Mitarbeitern sollen an den britischen Betreiber Capita verkauft werden, wie ein Sprecher des Kommunikationsdienstleisters in Gütersloh (Nordrhein-Westfalen) mitteilte. Die Verhandlungen seien aber noch nicht abgeschlossen. Beide Unternehmen bestätigen, dass Capita Europe und Arvato CRM Solutions Gespräche über einen möglichen Verkauf von drei Arvato Customer Management Centern in Deutschland führen. Diese Transaktion würde, sollte sie zustande kommen, unter einem Vorbehalt der Genehmigung durch die deutsche Wettbewerbsbehörde stehen", ergänzten die Unternehmenssprecher Katja Bode von Capita Europe und Gernot Wolf von Arvato CRM Solutions in einer gemeinsamen Erklärung.

An der geplanten Schließung der Standorte in Dresden, Leipzig, Gera und Suhl im Jahr 2019 halte Arvato dagegen fest. Betroffen sind dort insgesamt 250 Mitarbeiter. Ende Mai 2018 hatte Arvato angekündigt, sieben Standorte in Ostdeutschland wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit schließen zu wollen und fast 950 Stellen zu streichen. Allein in Magdeburg hätten fast 300 Menschen ihren Job verloren.

Landesbezirksfachbereichssekretärin Kerstin Chagoubi von der Gewerkschaft Verdi erklärte auf Nachfrage, dass sie bislang nichts bestätigtes gehört habe. Sie wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen, hält den Verkauf aber durchaus für denkbar. Inwiefern sich die Lage für die Mitarbeiter am Standort Magdeburger ändern würde, dazu konnte sie auch nur spekulieren. Allerdings: "Viel schlechter geht es nicht mehr. Wir haben Mindestlohn", sagte sie. Und es gebe nur wenige Unternehmen, die ihre Mitarbeiter mit mehr als dem Mindestlohn bezahlen würden. Selbst bei einem Verkauf an Capita Europe, die Tochter des britischen Mutterkonzerns Capita, gelte zumindest deutsches Arbeitsrecht, erklärte sie. Aktuell erhielten die Arvato-Mitarbeiter, die Geschäfte der Telekom übernehmen, einen Zuschuss von der Telekom, erklärte sie weiter. Diese Regelung laufe Ende dieses Jahres aus. Für die Gewerkschaft werde es darum gehen, sich unterstützend dafür einzubringen, dass diese Regelung erhalten bleibt.