Volksstimme: Herr Schmidt, die Hotels in Sachsen-Anhalt werden für Touristen geschlossen. Wer am Urlaubsort ist, muss bis Sonnabend abreisen. Trifft das die gebeutelten Betriebe noch mal zusätzlich?

Michael Schmidt: Zunächst mal vorweg: Die Entscheidung ist in jedem Fall richtig, um die Ausbreitung einzudämmen. Wir haben jetzt eine einheitliche Regelung. Wir als Verband begrüßen das. Die Situation für die Branche ist natürlich dramatisch. Es ist eine große Hoffnungslosigkeit sowohl in der Hotellerie wie auch bei den Gaststätten spürbar. Ich habe schon von einigen Betrieben erfahren, die dichtgemacht haben und die bereits wissen, dass sie nie wieder öffnen werden.

Wen trifft es besonders?

Es sind die kleinen Unternehmen, jene mit bis zu zehn Mitarbeitern. Und natürlich im ländlichen Bereich. Dort ist weniger Kapital da. In der Fläche stirbt die Gastronomie im Land ja ohnehin schon aus. Die Ausgangposition hat sich für viele in wenigen Tagen dramatisch verschlechtert. Klar ist: Je länger die Situation anhält, desto mehr Betriebe werden aufgeben müssen.

Wie gehen die Restaurants mit den erlassenen Regeln um? Nicht mehr als 50 Gäste gleichzeitig anwesend, zwischen den Tischen ein Abstand von zwei Metern, begrenzte Öffnungszeiten.

Die Auflagen – zum Beispiel zwei Meter Abstand zwischen den Tischen – sind für viele kleine Betriebe doch kaum realisierbar. Andere können die Vorschriften einhalten. Es geht doch in dieser Situation aber auch darum, wie lange man als Unternehmer seine Mitarbeiter überhaupt noch guten Gewissens beschäftigen kann.

Sollte man Gaststätten nicht auch komplett dichtmachen?

Klar ist: Ein Restaurant ist eine Begegnungsstätte. Es ist wie bei den Friseuren – bei einer gastronomischen Dienstleistung ist es schwer, einen Abstand von zwei Metern zu halten. Ich finde trotzdem, die Entscheidung sollte den Unternehmern überlassen bleiben.

Sie sind selbst Inhaber eines Hotels und Restaurants in Naumburg. Wie sind Sie verfahren?

Wir schließen am Sonntag erst mal. Es ergibt betriebswirtschaftlich keinen Sinn in dieser Situation.

Welche Hilfsmaßnahmen sind Ihrer Meinung nach notwendig?

Das Kurzarbeitergeld ist zunächst mal eine gute Möglichkeit, die Arbeitsplätze zu sichern. Kredite sind bedingt sinnvoll, viele Häuser tragen schon eine erheblich Last. Nach der Corona-Krise wäre keinem Gastronomen damit geholfen, wenn er dann keine Mitarbeiter mehr hat oder der Versorger den Hahn zugedreht hat. Wir würden Liquiditätshilfen begrüßen, um den Menschen in der größten Not erstmal etwas Luft zu verschaffen, um weiterzumachen.

Michael Schmidt ist Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Sachsen-Anhalt.