Meinerzhagen-Güntenbecke (dpa) l Seit 500 Jahren betreibt die Familie von Christian Vedder Landwirtschaft im Sauerland. Seit vergangem Jahr braucht der 57-Jährige für seine 168 Milchkühe schnelles Internet. Denn Vedder hat nun einen Hightech-Stall. Die hochmoderne Anlage überwacht die Daten zu Milchleistung und Gesundheitszustand jedes Tieres rund um die Uhr – auch wenn niemand im Stall ist. Per SMS schickt der Computer umgehend einen Alarm, sobald etwas nicht in Ordnung ist.

Rund eine Million Euro hat die neue Anlage gekostet. Vedder hat sich trotz ständig unsicherer Milchpreise für die riesige Investition entschieden. Ein Melkroboter nimmt nun einen großen Teil der Arbeit im Stall ab, bald soll auch eine Maschine den Mist automatisch beiseite schieben. Die Arbeitsersparnis ist ein entscheidender Vorteil für den Milchbauern in Zeiten zunehmend knapper werdender Arbeitskräfte auf dem Land.

Geduldig stehen die Tiere vor der Maschine an, die ihnen während des Melkvorgangs auch gleich eine individuell abgestimmte Portion Kraftfutter serviert. Der Computer entscheidet jeweils, wer als nächstes dran ist. Besonders entspannt seien die Tiere, wenn sie mit der Maschine allein seien, berichtet Vedder. Der Landwirt könnte seine Arbeit vom Sofa oder Schreibtisch aus erledigen.

Nach einer vom Branchenverband Bitkom zum Jahresbeginn vorgelegten repräsentativen Befragung im Auftrag des Deutschen Bauernverbands sind mehr als zwei von drei Landwirten (67 Prozent) der Meinung, dass Digitalkompetenz in Zukunft genauso wichtig sein wird wie ein fachliches oder soziales Wissen. Vorreiter in Sachen Digitalisierung sind nach den Ergebnissen der Studie meist junge Landwirte im Alter bis zu 35 Jahren. Vor allem sie drängten auf den Einsatz moderner Technik, etwa jeder zweite sehe Defizite beim eigenen Hof.

„Cowview“ heißt etwa ein System des Düsseldorfer Unternehmens Gea, das mit Hilfe eines Senders die Position der Tiere zentimetergenau aufzeichnet. Wird ein einzelnes Tier aus der Herde gesucht, reicht es, die Identifikationsnummer ins Handy einzutippen.

Jeder zweite nutzt digitale Technologien

„Die Landwirtschaft ist in Sachen Digitalisierung eher fortschrittlich“, lobt Miriam Tänzer von Bitkom, doch das sei bei vielen Verbrauchern nicht richtig angekommen. Nach den Ergebnissen einer bereits Ende 2016 vorgelegten repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands nutzt schon mehr als jeder zweite in der Branche (53 Prozent) digitale Technologien.

So arbeiteten auf dem Acker GPS-gestützte Landmaschinen zentimetergenau, während die Düngung von Pflanzen genau gesteuert werden könne. „Komplett analog ist kein Landwirt mehr“, sagt Tänzer. Experten sagen eine weitere Digitalisierung der Landwirtschaft voraus.